LOHAS: Objektivität und Wirklichkeit

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Jetzt möchte ich auch noch mal etwas zur LOHAS Diskussion loswerden, die gerade so schön im Gange und wertvoll ist.

Was ich gerade sehe sind zwei Lager, die sich in eine- oberflachlich ausgedrückt Pro- und Contra-Fraktion aufspalten. Die einen sagen, LOHAS sind nicht viel mehr als ein lifestyliger Trend, der keine großartigen Spuren hinterlassen wird. Also  nicht das, was von der anderen Seite als Werkzeug zur Verbesserung/ Rettung der Welt verstanden wird. Darüber lasst sich streiten.-

Zu Anfang meine Meinung: Ich glaube, dass LOHAS, NeoGreens, Cultural Creatives oder wie auch immer du es nennen möchtest ein Symptom des Wertewandels der  Gesellschaft ausdrückt. Ob LOHAS nun Zielscheiben- oder Gruppen sind soll hier erst einmal egal sein.

Und immer wieder: Wir sprechen hier von einem grundlegenden Prozess, der gerade erst ANGEFANGEN hat sich zu entwickeln. Erinnern wir uns: noch vor 1o Jahren hatte das grüne Gedankengut wenig mit dem Mainstream zu tun. Und auch so sehr Peter Unfried und mir eine Öko-Revolte gefallen würde, so hat das wenig mit unseren gesellschaftlichen Wirklichkeiten zu tun.

Und da sind wir bei der mittlerweile vielzitierten Studie von &Equity, die im Auftrag der Unternehmensberatung stratum realisiert wurde.

Diese Studie ist ein weiterer und natürlich auch berechtigter Versuch etwas mehr Licht ins Dunkel der Spezies der LOHASapiens zu bringen. Nun, ob reprasentativ, richtig oder nicht wage ich durch den Mangel an Informationen über die Studie überhaupt nicht zu bewerten.

Die Frage ist also, wer sind denn DIE LOHAS? Bin das ich, sind das andere? Wie sieht der/ die aus? was kaufen die? Ist das ein Lebensstil? hah? – zieht sich das wirklich durch alle Lebensbereiche bis zum ethischen Bankkonto- oder was ist hier eigentlich los?

10, 20, 30% der deutschen sind LOHAS- Wer bietet mehr? Durch unterschiedlichste Untersuchungsmethoden ist eine Vergleichbarkeit der Studien doch eh völlig indiskutabel: Ob quantitative Panelbefragungen oder qualitative Tiefeninterviews die vergleichbare Ergebnisse bringen bleibt dann doch eher- naja, fraglich.

Bio goes Mainstream- Das merken wir an allen Ecken und Enden.  Wenn ich hier in Frankfurt die riesen Rewe Plakate sehe oder am letzten Wochenende bei meiner Oma’s 85stem Geburtstag im Münsterland höre, dass die Ware im Biomarkt so toll schmeckt. Und das ist eben der Prozess in dem wir stecken: Von Food über Kosmetik zum Banking(…)

Und wie kommt das?

Nun, weil du, ich und eine ganze Reihe von Menschen (auch in Unternehmen) diese REALITÄTEN durch Kommunikation schaffen.  Mund zu Mund wie bei meiner Oma oder auf die vielen anderen Arten, die sich uns bieten:

In allen Industriegesellschaften hat sich das Kommunikationssystem zum wichtigsten Teilsystem entwickelt, so dass wir heute in einer Informations- & Mediengesellschaft leben: Medien werden zu verlasslichen Beobachtern von Welt: Das Informationsangebot steigt stetig, so dass die Medien eine Spezialisierung in Nischenmarkten leisten müssen und  ein Monopol für die taglichen Wirklichkeitsentwürfe erlangt haben: Nichts ist relevant, was nicht in den Medien ist.

Und: Fiktionen steht immer starker gleichberechtigt neben den Fakten und substituiert diese. Die Fusion von Realitaten und (Medien-)Fiktionen ergeben doch unsere Wirklichkeit. Wenn der Eindruck entsteht, dass die Medien immer starker Relevanz kommunizieren, werden sie zum Modell für die Orientierung. Sie werden zum Modell für unsere Wirklichkeitsentwürfe. Oder umgekehrt: Was nicht in den Medien ist, kann nicht relevant sein. Spannend ist, dass die mediale Kommunikation fiktional bleiben kann und kaum  überprüfbar auf real erlebbare Wirklichkeiten ist. Ebenso wie vermeintlich objektive Aussagen von Studien. Wie Heinz von Förster sagt: Beobachtungen sind nie ohne eine Beobachter zu machen. So könnten wir uns von dem Begriff der Objektivitat verabschieden.

Ein gemeinsames Interesse an Themen wie Ökologie und Sozialem schafft eine Schnittmenge an ahnlichen Wirklichkeiten. Wenn wir den Lebensstil der Gesundheit und Nachhaltigkeit teilen, dann tut dies jeder auf seine ganz eigene Weise, die aber trotzdem Gemeinsamkeiten schafft und gemeinsame Handlungsspielraume ermöglicht!

Und deshalb sage ich, dass wir weitermachen müssen in der Ergründung des Wertewandels und in der Ergründung in uns selbst, so dass wir gemeinsam die Welt verandern können von der wir immer so selbstverstandlich reden. Gemeinsam schaffen wir Werte und Realitaten, in der wir alle leben wollen. Und je mehr wir darüber reden, desto mehr wird sie zu unserer gemeinsamen gelebten Welt:  Mit dem Mainstream in die Öko-Revolte.

9 responses to “LOHAS: Objektivität und Wirklichkeit”

  1. Joachim Zischke

    Bio-Banking: Banknoten aus 100% Bio-Baumwolle mit Biofarben bedruckt -? Ja, das ware doch mal etwas wirklich Neues. ;-)

    Bio, LOHAS, Nachhaltigkeit, Kulturkreative … man kann es nennen, wie man es will, es bleibt ein Trend, ein Hype, ein fahrender Zug, auf den Viele aufspringen wollen, ohne zu wissen, wohin die Reise wirklich geht.

    Natürlich verandern sich die Sichtweisen. So langsam müssen wir doch erkennen und zugeben, dass etwas falsch lauft in/auf unserer Welt. Ob die Erkenntnis jetzt diesen oder jenen Namen hat, ist Nebensache.

    Wirklich wichtig sind nur unsere Anstregungen und die erzielten Ergebnisse: eine ökologische, ökonomische und soziale Balance zu schaffen, die nachfolgenden Generationen ein menschliches Leben ermöglicht.

  2. Leonardo

    Hallo Karmakonsumenten,
    na, jetzt wird die Diskussion wirklich interessant. Wobei ich nicht über subjektive und objektive Wahrnehmung und Erfahrung im Zusammenhang mit den LOHAS diskutiern möchte. Es ist namlich dann eine erkenntnistheoretische Untersuchung.
    Ich denke wir können das Phanomen LOHAS als etwas in der Welt vorhandenes betrachten – aber eben nicht in der realen Welt sondern in der Welt der Werte und der Haltungen. Dabei unterscheidet sich das Phanomen LOHAS nicht von der “alten Ökologie-Bewegung” oder von der noch alteren “Gesundheits-Bewegung”. Nur aktualisiert des Phanomen LOHAS diese Werte und hebt Sie auf eine andere Ebene. Ich würde anbieten diese eine “soziale Dimension” zu nennen. Die Begründung paßt nur so halb in diesen Kommentar. Vielleicht nur kurz. die Alte Bewegung kümmerte sich um die Reinheit der Materie – die neue Bewegung eben um die Art des Umganges und um Ästethik, was ja immer mit einer sozialen Wirkung verbunden ist.
    By the way – mir geht bei den LOHAS der Hinweis der Spiritualitat immer etwas unter – dabei liegt doch hier die echte Innovationskraft. Aber dass kennt ihr ja von mir :-)

  3. Noel Klein-Resink

    Hi Leo,

    bei einer erkenntnistheoretischen Betrachtung der Diskussion um Wirklichkeit und Realitat habe ich versucht, mal auf die Metaebene zu blicken und mal zu deuten, was unsere Diskussion bewegt. Nun bin ich der Meinung, dass die Wertewelt der LOHAS auch als Prozess zu verstehen ist: Von der ökologischen Dimension (die irgendwann als “Hygienefaktor” verlangt wird) über die Soziale bis hin zur spirituellen Dimension, nicht im konfessionellen Sinne als religiöse Lebenseinstellung -sondern eher als “in der Welt vorhandene” Wahrheit oder höhere Wirklichkeit.

  4. Leonardo

    Yep – Jetzt hast Du es sehr gut formuliert. genau so würde ich das auch sagen wollen ;-) )

  5. Jan Schoenmakers

    Ob LOHAS ein Trend ist oder hochgeschrieben wird, ist beinahe egal. Wichtig ist, dass über das Thema in Mainstreammedien als Trend berichtet wird, weil das andere potenziell affine Menschen ermutigt, selbst einen Schritt in die nachhaltige Richtung zu tun. Solange ein breiteres Publikum beginnt zu glauben, Bio/Öko/Nachhaltigkeit sei cool, waren wir doch bescheuert, wenn wir diese Wahrnehmung durch typisch linke Grabenkampfe (“wer ist der wahre Öko”) zu demontieren!

    Nur allzu unehrlich darf eine grüne Richtung nicht werden. Greenwashingbemühungen der Industrie und Politik sind nicht zuletzt auch ein Kompliment für unsere Sache – zeigt es doch, dass bisher wenig affine Akteure nun der Meinung sind, mit vermeintlich grünem Verhalten Anerkennung zu gewinnen -, bringen aber natürlich nichts, wenn nicht ein tatsachlich nachhaltiger Lebensstil praktiziert wird.

  6. Ilona

    Liebe Mit-Diskutanten, beim Thema LOHAS bin ich hin- und hergerissen – wie diese Kommentare auch. Sicher ist es gut, dass es überhaupt diese Entwicklung gibt. Und es ist wichtig, sie zum “Mainstream” zu machen bzw. den Mensche schlicht und ergreifend das Gefühl zu geben, dass sie unsere Welt zu einem besseren Ort machen können. Denn nichts ist schlimmer, als die Resignation und das Gefühl, gegen “die da oben”, die alle Entscheidungen alleine treffen, ohnehin nichts ausrichten zu können. Das hatten wir ja das letzte Jahrzehnt zur Genüge.

    Dennoch reihe ich mich auch in die Kritiker mit ein. Denn was ich beobachte ist doch sehr oberflachlich: Dass, was den LOHAS vom verpöhnten Öko unterscheidet, ist in erster Linie – knapp gesagt – das Outfit (das ist jedenfalls das, was den LOHAS aus meiner zugegebenermaßen subjektiven Sichtweise, wichtig ist – die Ökos würden natürlich noch was anderes hinzuzahlen).

    Das heißt anders gesagt: Die Öko-Idee unterwirft sich dem Konsum-Gedanken, um LOHAS zu werden. Öko muss schick und lifestylig aussehen, sonst “taugt” es nichts. Was meinen Beobachtungen nach im Extremfall dazu führt, dass sich jemand lieber “Bio”-Lebensmittel kauft, die eine tolle Verpackung haben – als welche, die von den Inhaltsstoffen eigentlich viel besser sind, aber eben nicht schön verpackt. Oder dass bei einer “Öko-Marken-Veranstaltung” Wallmart gefeiert wird, weil sie nun Glastüren vor ihre Kühlschranke montiert haben und so ganz schön viel Energie sparen. Also das ist natürlich gut – aber ein Grund, um die nun als besonders umweltfreundlich zu feiern ist es m.E. nicht.

    Dass dieser Trend kein “Heilsweg” sein kann, zeigt ein Bericht in dem Buch “Zukunftsfahiges Deutschland”, indem gesagt wird, dass die LOHAS in der Regel bei den Besserverdienenden zu finden sind – dass die aber gleichzeitig viel mehr die Umwelt zerstören! Der Grund: Sie haben einfach viel mehr Geld und geben sich deshalb auch ausgiebiger dem Konsum hin. Menschen mit geringem Einkommen entscheiden sich zwar vielleicht nicht für Öko-Verbrauchsgüter – aber sie fliegen eben auch nicht so oft in Urlaub und fahren nicht so dicke Autos. Und das scheint wesentlich entscheidender zu sein.

    Mein Fazit: Es ist wie immer, es könnte noch besser gehen. Wichtig ist glaube ich, dass jeder Einzelne weiter an sich arbeitet – und vor allem auch über die Dinge nachdenkt, die wir so tagtaglich für scheinbar gegeben halten. Wichtig ist, dass wir WIRKLICH begreifen, dass nur WIR – jeder einzelne von uns – etwas andern können. Und DAS wir es können! Und dass es zwangslaufig unbequem wird. Die Vorstellung, dass sich unsere Umwelt (oder eigentlich viel mehr die Menschheit, denn die Umwelt wird uns überleben) retten ließe, indem wir uns leicht modifiziert unserem Konsumrausch weiterhin hingeben, die halte ich für Augenwischerei.

    Selbst wenn nun alle Deutsche LOHAS werden würden, würde das den Klimawandel nicht aufhalten – nur als ein Beispiel. Insofern ist es – auch unter dem Stichwort Greenwashing – vielleicht auch wieder gar nicht so gut, dass die Grenzen so sehr verschwimmen und hier Heilsversprechen gegeben werden, die sich gar nicht einhalten lassen. Denn die liefert ganz schön viele Entschuldigungen…

  7. Jan Miller

    Die soziale Dimension des LOHAS.

    LOHAS beschreibt den Lebensstil einer gesellschaftlichen Avantgarde. Diese wird zum Mainstream möchte es auch gerne werden. Schon allein deshalb benötigt sie heutzutage diesen Namen.

    Aber: Warum distanziert sich diese Avantgarde standig selbst von der vergangenen Entwicklung unserer Gesellschaft zu mehr Ökologie, Gesundheit und Fairness? Das erscheint mir als ausgepragte Neurose der modernen Ökos. „Nein, mit den alten Ökos haben wir nichts zu tun. Wir sind viel stylischer, hipper und viel naher an der Realitat. Schau doch nur: Sneakers statt Jesuslatschen, Ipod statt Picknickkorb.“ Waren denn samtliche Bewegungen, die die eben genannten Werte etabliert haben, nur mit Fundamentalisten und Verzichtpredigern besetzt? Ich glaube nicht. Und ist es denn wirklich wichtig, dass sich die Ästhetik der Menschen, das Design und vor allem der Anspruch an Luxus und Genuss kontinuierlich andern? Ist eine hoher Genuss-Anspruch ursachlich mit einem Lebensstil von Gesundheit und langfristiger Wertschöpfung verknüpft? Auch das stelle ich klar in Frage.

    Sehr problematisch finde ich zudem, wenn wir uns anmaßen, anderen Menschen den Lebensstil im Sinne von Style und Design vorzugeben. Vorgeben und vorleben müssen wir nur das, was wirklich bleibt – keine Modetrends der Lifestyle-Ratgeber, und mögen Sie noch so ökologisch korrekt sein. Im Gegenteil: Am besten sind die neuen Produkte und Dienstleitungen so gestaltet, dass sie für möglichst viele Menschen attraktiv sind, unabhangig von Ausbildung und Einkommen!

    Ich schließe mich gerne an, dass das ökologische Handeln auf seinem Weg zum Hygienefaktor ist. Die größere zukünftige Herausforderung für das Erreichen eines global geltenden LOHAS, wird eine soziale Dimension haben: echte und ehrliche Partnerschaften, ein faires und respektvolles Miteinander – eine Haltung, die das Erreichen eines gemeinsamen großen Ziels erst möglich macht. Ebenso glaube ich auch daran, dass diese Erkenntnisse bei vielen Menschen eng mit Spiritualitat einhergehen, vielleicht ist dies auch manchem nicht so bewusst.

    Psychologisch betrachtet werden jedoch den Verhaltensanderungen der verschiedenen Menschen auf unserem Planeten höchst unterschiedliche Motive zugrunde liegen. Die Änderung von Einstellungen und Werten ist oben drauf noch viel komplexer.

    Aber zurück zu heute: Was macht uns Menschen mit LOHAS mehr glücklich? Die Tatsache, strategisch und korrekt zu leben und die Welt dadurch zukunftsfahig zu machen? Oder die Tatsache, dass ich zur auserwahlten Klasse der kulturell kreativen Weltverbesserer gehöre? Ja, wir bestimmen die Gesellschaft und Werte der Zukunft, das ist das Schicksal der Vordenker. Und gut fühlt es sich an! Ich glaube, je langer wir uns mit uns selbst beschaftigen, um so narzisstischer können wir dabei werden. Und das widerspricht per se der Wertewelt des LOHAS. Oder nicht?

    Es gilt zu verhindern, schon bald eine mit Yuppies vergleichbare Spezies zu werden, die man bestenfalls neidvoll als geschlossene Gesellschaft, schlechtestenfalls als selbstverliebte Besserverdiener und Intellektuelle betrachtet. Vielleicht ist LOHAS nicht der Begriff, den die Welt wirklich braucht. Aber Spott oder ein Schimpfwort sollte er auch nicht werden. Und wir hatten die soziale Dimension gründlich verpasst.

  8. Noel Klein-Reesink

    Ich denke, dass der Begriff LOHAS sehr indifferent verstanden wird. Gut, das Kunstwort ist erst acht Jahre alt. Der Begriff stammt ursprünglich von Paul Ray, einem amerikanischen Soziologen und beinhaltet für mich weit mehr, als eine bloße Zielgruppenbeschreibung.
    Rays Untersuchungen zeigen, dass jeder vierte Erwachsene in den USA zu dieser Gruppe gehört – etwa 63 Millionen Menschen-und das ist ein entscheidender Aspekt für Unternehmen, für die Zukunft und den Fortschritt des Wandels in sozialen und wirtschaftlichen Bereichen sowie für den Erhalt unserer Umwelt.
    Wesentlich für mich ist dabei der Aspekt des Lebensstils: Der GESAMTzusammenhang von Verhaltensweisen, Interaktionen, Meinungen, Wissen, Einstellungen, die viel mehr sind, als eine bloße Übereinkunft im Konsumverhalten. Dabei spielen Spiritualitat, Gesundheit, Freunde (..) eine besondere Rolle. Wir haben mal angefangen und zusammengefasst, was der Begriff für uns bedeutet
    http://www.karmakonsum.de/lohas_-_lifestyle-of-health-and-sustainability.

    Zum anderen glaube ich, dass wir am Anfang einer tiefgreifenden Veranderung und einem weitreichenden Verstandnisses von Gesellschaft stehen. Und dabei braucht es in der Regel einige Menschen, die ein Thema in den Mainstream bringen. Die Clooneys, Pitts, Roberts und DiCaprios sind unglaublich wichtig, um neue Gedanken gesellschaftsfahig akzeptierter zu machen. Nachhaltigkeit ist eines der aktuellsten Medienthemen und die aufgeklarten Besserverdiener kaufen bereits bewußter.
    Und auch hier wieder mein Einwand: Wir sind im Prozess, dass das Thema Nachhaltigkeit Stück für Stück in die Realitat der Massen getragen wird.
    Die Form ist dabei ein wichtiges Mittel um eben dort anzukommen: Es ist kein entweder oder mehr:
    Wenn ich Natur möchte, dann möchte ich sowohl Geist, Tiefe Herkunft als auch modernes Design und gute Technik. Badabingbadabum. Ja, natürlich müssen sich Wertschöpfungsketten neu formatieren-keine Frage, aber das tut doch auch Not!
    Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass diese schnellen Entwicklungen auch eine Wechselwirkúng mit dem web 2.0 bedeutet. Die Vernetzung und der Dialog zwischen den Menschen und auch die Interaktion der Menschen mit den Unternehmen hat sich grundlegend verandert. Dabei ist die neue Schlüsselkompetenz das Zuhören!

    Und eine Sache noch: Wir müssen lernen, auch schwere Themen mit Frische, Humor und Leichtigkeit zu begegnen. Humor ist ein tolles Mittel um Kritik zu üben und um Menschen zu begeistern. Dabei schließt sich Humor und Tiefe sicher nicht aus. Sie erganzen sich prima.

  9. Martin Albrecht

    Es ist sehr aufschlußreich, wie sich in der ganzen LOHAS Diskussion der Schwerpunkt verlagert:

    Phase 1: Noch vor einem Jahr ging es wesentlich darum ob es die LOHASEN überhaupt gibt, sprich ob wir es tatsachlich mit einem Trend oder nur einem Hype zu tun haben. Diverse Studien meldeten sich zu Wort, zwar alle mit unterschiedlichen Methoden und Definitionen, aber im Prinzip alle mit derselben Antwort: Ja, die gibt es und es sind auch recht viele.

    Phase 2: Dann wurden die Marketer hellhörig: ach das sind gut verdienende Hedonisten mit Gewissen? Dann wollen wir die mal werblich ansprechen: Es wurden dann komischerweise gerade die Skeptiker gefragt, wie man die LOHAS denn werblich erreichen könnte. Die Antworten fielen entsprechend dünn aus: TV ist nicht so angesagt, Online geht immer und ansonsten Ökotest, Landlust und sonstigen Kuschelrock. Mit Verlaub: dafür hatte man keinen Mediaplaner gebraucht.

    Phase 3: Jetzt gibt es – sehr vorhersehbar – immer mehr kritische Stimmen, die fragen, ob die LOHAS es eigentlich bringen, sprich: ob die eigentlich nachhaltig die Welt verbessern, oder doch nur quatschen. LOHAS-müdigkeit macht sich breit: “green-fatigue” nennen die Englander das, die diesen Verdruß schon seit letztem Jahr kennen.

    Die Diskussion ist irgendwo zwischen frustrierend und komisch, je nach Geschmack aber vor allem: völlig überflüssig. Wir brauchen bessere Ideen für eine bessere Welt. Jeder Versuch zahlt, sogar die zynische Unterschriftensammlung von Vattenfall. Wenn wir recht haben wird die Welt besser, auch ohne die Diskussion darum. Denn diese Diskussion geht eigentlich nur um die moralische Dimension: Wer hat die richtige GESINNUNG und deshalb das Recht sich moralisch überlegen zu fühlen in einer unmoralischen Welt. Who cares?

    Grüße aus Düsseldorf,

    Martin Albrecht

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