StatusQuo KarmaKonsum

Vielleicht ist es Dir schon aufgefallen: Ich blogge derzeit für meine Verhältnisse extrem wenig. Irgendwie habe ich seit Jahresbeginn noch nicht wirklich den Anschluß wieder gefunden. Es mag auch daran liegen, dass ich gerade viele strategische und operative Dinge tue. Oder daran, weil Work-Life-Balance für mich als Blogger besonders wichtig ist. Hier ein guter Artikel von Brandeins zu den Gesundheitsrisiken des Bloggens.

Ich möchte Dich nachfolgende daran teilhaben lassen, was mich gerade so beschäftigt und mal wieder einen größeren inhaltlichen Beitrag leisten:

Erforschung des LOHAS Phänomens

Der Begriff LOHAS wurde ja in 2008 insgesamt viel genutzt: Alle renommierten Marktforschungsinstitute wie GfK, Nielsen, Allensbacher und Nielsen haben versucht, sich dem komplexen Thema zu nähern. Jeder kam zu einem anderen Ergebnis gemessen in Prozentanteilen an der deutschen Bevölkerung, jeder hat andere Maßstäbe zur Klassifizierung angelegt und es werbewirksam verpackt. Auch wir haben mit der Nielsen Studie einen Beitrag dazu geleistet, der einen gewisser Teil unsere Weltsicht untersucht und belegt hat.

Dieser Medienrummel um den Begriff LOHAS führt dazu, dass das Thema Nachhaltigkeit in den Chef- und Vorstandetagen angekommen ist und für strategischen Überlegungen relevant geworden ist.

Der Fokus der Betrachtung und der Diskussionen lag jedoch primär auf dem Konsum und dem “S” in dem Wort LOHAS – also Sustainability oder Nachhaltigkeit und das auch meist mit dem Fokus auf “Green Glamour”. Weniger bis gar nicht wurde das Thema “H” wie Health oder Gesundheit untersucht und auch auf der soziologischen und pychologischen Ebene wurde wenig geforscht.

Aber genau da bin ich sehr neugierig und die bisherigen Ergebnisse reichen mir persönlich nicht aus. Vieles sind einfach nur Vermutungen die durch gewissen Studien bestätigt werden. Aber wie gesagt, ich betrachte ja auch nur kleinen Ausschnitt der LOHAS Wirklichkeit, aber einen interessanten Aspekt. Und dieser Aspekt scheint vor allem die jüngeren und trendaffinen Menschen unter 40 anzuziehen.

Aus diesem Grund werden wir in diesem Jahr auch diese Thema weiter voran bringen und sprechen gerade mit diversen Leuten aus Wissenschaft und Marktforschung, wie man die komplexen Lebensstile des LOHAS tiefer untersuchen kann.

Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, umso klarer wird mir, dass man LOHAS schlecht mit einer Zeitpunktbetrachtung erklären kann und dass LOHAS – zumindest in meiner Wahrnehmung und in meiner persönlichen Entwicklung – ein Prozess ist. Dieser Veränderungsprozess führt zu neuen Erkenntnissen und Einstellungen zur Natur, zur Gesundheit und natürlich auch zum Konsum.

Ein Thema beschäftigt mich als Yogi besonders: Der Verzicht. In der Yogatradition und in allen Weltreligionen ist Entsagung und Askese ein wichtiger Aspekt auf dem spirituellen Weg. Ich frage mich, wie können wir diesen “Entwicklungshelfer Verzicht” als neue Dimension in die LOHAS Diskussion einwerfen und kultivieren? Auch wenn bisher gesagt wurde, LOHAS seien genussorientiert und nicht verzichtsorientiert – gehört das Thema für mich zum nachhaltigen Lebensstil einfach dazu, gell Reto. Auch als Gesundheitsthema ist Verzicht äußerst relevant – man denke nur an die bevorstehende Fastenzeit.

Ok oben mal mein grafischer Schnellschuss (wer es noch nicht weiß, ich war mal Graffiti-Künstler und bin sehr visuell denkend), in welchem Spannungsfeld sich die Lebenstile des LOHAS bewegen und was (für mich) auch dazu gehört. Was denkst Du?

KarmaKonsum Konferenz 2009:

Die Vorbereitungen von Noel und mir laufen auf Hochtouren und alles nach Plan. Die Location steht fest (wir hoffen, dass wir in diesem Jahr keine Anmeldungen aus Platzgründen ablehnen müssen) , die Sprecher stehen zu 90% (wir konnten auch in diesem Jahr wieder sehr kompetente Vordenker wie Hans Reitz – ein enger Vertrauter von Friedensnobelpreisträger Mohammed Yunus – und Pioniere wie Prof. Dr. Götz Rehn von Alnatura und Innovatoren wie Max Wittrock von mymuesli.com für unsere Sache gewinnen) und die Sponsoren stehen auch soweit. (WERBUNG: Wer gerne als Unternehmen bei der Veranstaltung noch mitwirken möchte, kann mich gerne per Email ansprechen: christoph (at) karmakonsum.de)

Es wird wieder eine zweitägige Veranstaltung mit Business-Konferenz und GreenCamp. Termin ist der 19. und 20. Juni hier in Frankfurt. Allerdings organisieren wir in diesem Jahr eine zusätzliche Networkingveranstaltung am Freitag Abend, bei der die jungen wilden GreenCamper auf die etablierten Geschäftsleute und Pioniere der Business-Konferenz treffen. Matchmaking nennt man das auf neudeutsch (Ich hoffe, es findet sich in diesem Jahr auch wieder ein Liebespaar auf der Konferenz. Das erste KarmaKonsum Paar hat sich nämlich 2008 auf der Konferenz kennengelernt)

Auf dieser Abendveranstaltung, die kostenlos ist, wird es dann noch ein besonderes Highlight für Existenzgründer geben. Mehr kann ich aktuell noch nicht verraten. Offiziell werden wir zur Biofach am 19.2. sämtliche Infos zur Konferenz bekannt geben. Ab dann kann man sich auch anmelden. Also stay tuned :-)

Ach ja, wir suchen auch wieder studentische Hilfkräfte, die uns auf der Konferenz unterstützen. Bei Interesse einfach per Email bei mir melden.

Serverumzug:

Schon lange geplant – jetzt endlich fast abgeschlossen: KarmaKonsum wird hoffentlich Ende dieser Woche dank dem technischen Support von Sjörn aka Konsumguerilla auf einem neuen Server laufen, der mit Ökostrom betrieben wird. Das Internet, das Du gerade nutzt hat ja nachweislich eine ähnlich hohe oder höhere Klimabelastung als der Flugverkehr. Eine einzige Google Anfrage verursacht z.B. etwa so viel CO2 wie eine Energiesparlampe, die eine Stunde brennt. Ein Schritt, der längst überfällig ist.

Sollte es diese Woche durch den Umzug mal zu technischen Problemen kommen, bitte ich jetzt schon m Verständnis.

Podcast

Noel und ich treffen sehr viele interessante Menschen, die eine Menge zu sagen haben. Eine gute Möglichkeit diese Inhalte zu veröffentlichen, ist das Audio-Format Podcast. Damit betreten wir Neuland in der Welt des Internetradios und freuen uns darauf. Erste Interviews haben wir schon aufgenommen und setzen gerade noch die Technik dafür auf. Ich denke, dass wir auch zur Biofach die ersten Sendungen liefern werden.

Danke für die Inspiration und den Support an den Podcast-Guru Alex Wunschel.

So, ich hoffe, ich konnte dich mal wieder auf den Stand der Dinge bringen und freue mich über Feedback.

11 responses to “StatusQuo KarmaKonsum”

  1. Basti Schwiecker

    2 kurze Anmerkungen zum Artikel:

    1. Wo ist denn Dein “grafischer Schnellschuss”? Konnte im Artikel weder Bild noch Link finden (zu schnell gelesen?).

    2. Die Angaben bezüglich Googles Energieverbrauch scheinen extrem überhöht, zumindest wenn man Google glaubt. Diese geben den Verbrauch pro Suche mit 0,0003 kWh an. Anders ausgedrückt: Die Energie die Dein Computer während der Suche (weniger als 1 Sekunde) verbraucht ist deutlich höher als das was Google verbraucht.

  2. chrichu

    Wieder ein gelungener Beitrag! Läd praktisch zu einer Diskussion ein.

    Ich finde auch, dass es ein längerer Prozeß ist ein Lohas zu werden. Man steht ja nicht morgens auf und bekommt über Nacht eine andere Sichtweise der Welt.

    Interessant fand ich in 2008 besonders die Masse an Studien zum Thema. Alle versuchen den “phänotyp” Lohas zu sezieren um möglichst die passenden Instrumente zu finden diese “Zielgruppe” ansprechen zu können.

    Wenn wir nun aber von (vollkommender) Nachhaltigkeit als Ziel ausgehen, dann ist Lohas der Weg den wir gehen. Und wer will uns sagen wo sich jeder einzelne von uns auf diesem Weg gerade befindet?
    Wie ist der individuelle Wertewandel jedes einzelnen von uns schon fortgeschritten und wer hat wo seine Präferenzen gesetzt?

    Wie Du bereits geschrieben hast, lag 2008 das Augenmerkt ja verstärt auf dem nachhaltigen Konsum – Sicher, weil dort auch viel Umsatzpotenzial steckt. Lustig wieviele Unternehmen plötzlich ja ach so grün waren…

    Ich jedenfalls wünsche mir für das Jahr 2009 einige tiefere Erkenntnisse über die Lohas.

    Auch Fragen wie zB…
    Wo fängt Nachhaltigkeit nun eigentlich für jeden an und auf welche Ebene transportieren wie es?
    Auch interessant finde ich die Frage inwieweit macht uns nachhalltig konsumieren glücklich?

  3. Dini

    …und überhaupt wird auf den spirituellen Part, der ja den LOHAS eigentlich ganz schön wichtig ist (es traut sich vermutlich nur nicht jeder LOHAS das zu sagen, besonders hier in Deutschland), nicht wirklich in den ganzen Untersuchungen eingegangen. Es ist auch nicht ganz einfach zu erfassen, gehört aber unbedingt dazu.

    Verzicht als “Entwicklungshelfer” auf dem spirituellen Weg – ja – wenn man Verzicht nicht als etwas negatives versteht, sondern als etwas befreiendes…dann kann er durchaus sehr befriedigend sein. :-)

  4. Anna

    Christoph, ich finde sehr gut, dass du das Thema “Verzicht” ansprichst, denn ohne diesen wird ein nachhaltiger Lebensstil nicht gehen – das ist meine Meinung. Aber: Verzicht ist in unserem Kulturkreis nun ja so sehr relativ, dass Verzicht tatsächlich als etwas Befreiendes erlebt werden kann. Da gebe ich Dini völlig recht. Denkt man Verzicht also im Sinne einer Rückbesinnung auf ein “weniger ist mehr” und auch als Rückbesinnung auf “das Wesentliche” (wo wir wieder bei der Spiritualität angelangt wären…), ganz konkret z.B. auf die Wertigkeit eines Produktes, muss Marketing für Öko-Lifestyle Produkte völlig neu gedacht werden. Es kann nicht mehr wie das Marketing der Öko-Gründergeneration aussehen, wenn es eine breite Masse erreichen soll. Es darf aber genauso wenig den Style konventioneller Markenführung haben. Letzteres zeichnet sich gerne durch ein sehr synthetisches, grelles “Alles toll-kauf mich- Hochglanzmarkenimage” aus. Aktuell dann einfach ein wenig grün angestrichen.
    Die Frage, die wir dann jedoch auf der Konferenz klären müssten ist, wie soll es dann aussehen? Wie kann man Produkte zwischen “Entschleunigung, Verzicht, Verantwortung, Lebensfreude und Lifestyle” positionieren?
    Wenn es uns gelänge, dieses Thema ehrlich zu diskutieren, wäre die KarmaKonsum 09 noch einen Schritt weiter gegangen. Für mich ist die KarmaKonsum daher eine einmalige Chance, gemeinsam und selbstkritisch zu überlegen, wie man einen neuen Lebensstil, der – vorausgesetzt “Verzicht/Befreiung von Ballast” wird (s)ein zentrales Grundthema – eigentlich die Grundprinzipien der Konsumgesellschaft auf den Kopf stellt, von Marketingseite aus begleiten kann – Betonung liegt auf “begleiten”, denn das heißt auch “Bedürfnisse” ernst nehmen, auch dann wenn diese “weniger ist mehr” heißen.

  5. Horst

    Verzicht und Genuss widersprechen sich ja nicht. Man muss den Menschen eben nur die Alternativen aufzeigen, wo der bewusste Verzicht das Leben verbessert.

    Schöner Artikel, ich freue mich schon, wenn wir uns auf der Biofach mal wieder sehen.

    Server: Ein kompletter Server mit Ökostrom? Dafür hatte ich leider keinen Anbieter gefunden. Diejenigen, die nicht nur Webspace anbieten arbeiten mit RECS-Zertifikaten oder CO2-Kompensation. Da habe ich mich nun für einen regionalen Hoster entschieden und kompensiere den Stromverbrauch selber. Wobei der sogar ziemlich gering ist. Soviel schlucken manche Geräte im Standby.

  6. Christoph

    @ basti: Das Bild ist nun da – es lag am Serverumzug. Der ist nun abgeschlossen.

    @chrichu : Ethischer Konsum gibt zumindest ein gutes Gefühl bei Dingen, die wir eh konsumieren müssen … natürlich macht Konsum allein nicht glücklich . Das Yoga sagt ja, das Glück liegt in und nicht außerhalb von uns …

    @ Dini: Ja Spiritualiät ist ein sehr wichtiges LOHAS Thema. Das hat ja auch schon Paul Ray herausgefunden. Spannend bei seinen Erkenntnissen ist, dass die “spirtuelle” GRupep der LOHAS die Meinungsführer der anderen sind.

    @ Anna, Gute Ansätze – ich freue mich auf die Diskussion mit DIr im JUni :-)

    @ Horst: das gesamte rechnenzentrum wird mit Ökostrom versorgt und das Preis-Leistungsverhöltnis ist auch sehr gut: http://hetzner.de/

  7. Nadine

    Zitat: Verzicht und Genuss widersprechen sich ja nicht. Man muss den Menschen eben nur die Alternativen aufzeigen, wo der bewusste Verzicht das Leben verbessert.

    @Horst: das bringt es für mich auf den Punkt! Verzicht kann so genussvoll sein. Das muss man aber wie alles eben erst lernen. Auch ich würde mich freuen, mehr von Christoph, dem Yogi, zu hören!

  8. Chrichu

    Sicher ist das richtig Christoph!
    Es ist wohl so, dass ein linearer Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden und der Ökonomie unwahrscheinlich ist.
    Mit zunehmendem materiellen Wohlstand steigt das Wohlbefinden zuerst stark an bis ein gewisser Basiswert erreicht ist, ab dort kommt es dann aber zu einer Verflachung des Zusammenhangs.
    Es ist nur so, dass in unserer Gesellschaft die meisten materiellen Wohlstand und Konsum mit Lebenssinn gleichsetzen und dies von wenigen hinterfragt wird.

    Sturn und Reuter zB sagen, das die Vorstellung vom Glück immer auf bestimmten Vorstellungen von der Realität basiert, die jeweils wieder in Bezug auf das “aussen” und das “innen” in unterschiedlichen Ansätzen jeweils differenziert definiert wird.
    Folglich stehen Glück und Realität also in unmittelbarer Beziehung zueinander und ein Glückskonzept basiert implizit immer auf einem Realitätskonzept.

    Wenn wir davon ausgehen das die Lohas ein anderes Realitätskonzept haben als Ihre “normalen” Mitmenschen, kann man folgern, dass sie auch ein andere Art von Glückskonzept haben müssten.

    Erleben/Erfahren wir Glück dann anders? Oder ist es eine abgeänderte Art von Glücksempfinden?

    Verzicht zB verschafft Glück ohne Konsum, weil es in die Realität des einzelnen aufgenommen wurde?

    lg
    chris

  9. Volker

    Das Anliegen von Chrisoph über “Verzicht” intensiver nachzudenken, kann ich nur unterstützen!

    Und besonders gelungen finde ich die Beiträge von Chrichu, Horst und Anna.

    Aber ist Verzicht das richtige Wort? Im Grunde ist alles Relativ und eine Frage der Definition. Weniger ist(kann) mehr und ein weniger von materiellen Dingen kann für “uns” doch nicht ein Verzicht bedeuten, sondern eine Bereicherung, weil wir uns auf den wesentlichen “Konsum” von immateriellen Werten (Kultur, Gesundheit, Beziehungen, etc.) weiterentwickeln!

    Und ein Möbelstück nicht alle paar Jahre auszutauschen, sondern es als “Wegbegleiter mit Seele” zu betrachten, sollte nicht als Verzicht gesehen werden, aber eben als eine Bereicherung!

    Vielleicht müssen wir uns auch die Frage stellen, ob unsere Vorstellungen und Lebensstile (LOHAS, LOVOS, KulturKreative) mit der gängigen, eindimensionalen und oft linearen BWL-Terminologie in ein veraltetes Denkkorsett gepresst werden und wir auch deshalb diese Diskussion brauchen.

    Ich würde mich gern weiter aktiv einbringen und freue mich auf eine Fortsetzung dieses Themas im Greencamp?!

  10. Chrichu

    Das Problem ist, Verzicht ist für die meisten mit etwas negativem versehen. Eine Einschränkung ihrer selbst sehen sie als einen Wegfall ihrer Möglichkeiten ihre Bedürfnisse zu befriedigen.
    Dazu ein paar, meiner Meinung nach, passenden Zitate die ich gerade für meine Arbeit rausgesucht hab.

    “Da das Glück in der Zufriedenheit , also im Fehlen von Bedürfnissen liegt, kann die Bedarfserregung nur Unglück bringen, während anderseits der Verzicht auf neue Bedürfnisse keinerlei Entbehrungen mit sich bringt; denn Wünsche, die wir noch gar nicht kennen, weil sie nicht erschaffen, bereiten uns keinen Kummer.”(Hossenfelder, 1992)

    Wenn man sich nun durch Verzicht frei gemacht hat von gewissen Bedürfnissen, sollte man einem dieser Verzicht jenes Glück bringen nachdem sich alle durch ihren immer höheren Konsumdrang sehnen.
    Nur wie bringt man jemandem bei, das Verzicht glücklicher macht als konsumieren?

    Definieren sich doch viele über die Dinge die sie haben, anstatt über sich selbst.
    Ein Wechsel von der Lebensstandardfixierung zu einer, an der Lebensqualität orientierten Denkweise wäre da hilfreich.

    Wenn Bedürfnisse geweckt sind, können sie zweifellos nicht unbefriedigt bleiben, ohne dass sie schmerzen. Aber unser Glück ist deswegen nicht größer weil sie hervorgerufen worden sind. Der Anhaltspunkt, nach dem wir die relative Intensität unserer Genüsse messen, hat sich verschoben[...]Weil die Welt nicht mehr die Gleiche ist, mussten wir uns verändern; diese Veränderungen waren der Anstoß für andere Veränderungen in unserer Art glücklich zu sein. Wer aber Veränderung sagt, sagt damit nicht notwendigerweise Fortschritt”(Durkheim, 1988)

    Besondes gut gefällt mir dabei der Satz “Weil die Welt nicht mehr die Gleiche ist, mussten wir uns verändern…”
    Schön ist es, dass wir versuchen aus der Veränderung in uns den Fortschritt für alle zu machen. Und somit auch Glück zu schaffen!

    Auch der Wirtschaftstheoretiker J.M.Keynes hat damals etwas gesagt was ich gut finde:
    “[...]unser ökonomisches System gestattet uns tatsächlich nicht, den höchsten Stand ökonomischer Wohlfahrt zu erreichen, der durch den Fortschritt unserer Technik ermöglicht wird, sondern bleibt weit dahinter zurück und läßt in uns das Empfinden aufkommen, dass wir den Ertrag besser hätten verwenden können.” (Keynes,J.M., 1985)

  11. Volker

    Eine kleine Geschichte aus dem Buch von Timothy Ferriss „Die 4 Stunden Woche“ zum Nachdenken, passend zum Thema.

    Ein amerikanischer Geschäftsmann macht auf Anordnung seines Arztes in einem kleinen mexikanischen Küstendorf Ferien. Schon am ersten Morgen bekommt er in aller Frühe einen eiligen Telefonanruf aus dem Büro. Weil er danach nicht mehr einschlafen kann, läuft er hinaus auf die Mole, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Ein kleines Fischerboot mit nur einem einzigen Fischer darin legt an. In dem Boot liegen einige große Gelbflossenthunfische. Der Amerikaner gratuliert dem Mexikaner zur Qualität seines Fangs.

    „Wie lange haben Sie gebraucht, um die da zu fangen?“, fragt er.
    „Nicht so lange“, antwortet der Mexikaner in überraschend gutem Englisch.
    „Warum bleiben Sie nicht länger draußen und fangen noch mehr davon?“, will der Amerikaner wissen.
    „Ich habe genug, um meine Familie zu ernähren und ein paar Freunden etwas abzugeben“, sagt der Mexikaner, während er die Fische in einen Korb umlädt.
    „Aber … was machen Sie mit dem Rest Ihrer Zeit?“
    Der Mexikaner schaut auf und lächelt.“Ich schlafe lang, dann fische ich ein wenig, spiele mit meinen Kindern, mache Siesta mit meiner Frau Julia – und jeden Abend gehe ich ins Dorf, wo ich mit meinen Amigos Wein trinke und Gitarre spiele. Ich habe ein volles und beschäftigtes Leben, Senor.“

    Der Amerikaner lacht und richtet sich zu seiner vollen Größe auf.“Mein Herr, ich bin Wirtschaftsfachmann, ich habe in Harvard meinen Abschluss gemacht. Ich kann Ihnen helfen. Sie sollten mehr Zeit mit dem Fischen verbringen und sich vom Erlös ein größeres Boot kaufen. Von dem größeren Fang, den Sie dann regelmäßig machen, können Sie sich in Nullkommanichts mehrere Boote kaufen. So haben Sie bald eine ganze Flotte von Fischerbooten.“

    Er fährt fort:“Anstatt Ihren Fang an Mittelsmänner zu verkaufen, können Sie ihn den Konsumenten direkt anbieten und irgendwann Ihre eigene Konservenfabrik eröffnen. Sie werden Produkt, Verarbeitung und Vertrieb dann selbst kontrollieren. Natürlich müssen Sie dieses kleine Fischerdorf hinter sich lassen und nach Mexiko-Stadt ziehen, später nach Los Angeles und schließlich nach New York, von wo aus Sie Ihr expandierendes Unternehmen mit dem richtigen Management führen werden.“

    Der mexikanische Fischer fragt:“ Aber Senor, wie lange wird denn das alles dauern?“
    Darauf antwortet der Amerikaner:“Vielleicht 15 bis 20 Jahre. Allerhöchstens 25.“
    „Und was dann Senior?“
    Der Amerikaner lacht und sagt:“ Das ist das Beste daran. Wenn die Zeit dafür reif ist, gehen Sie an die Börse, verkaufen Ihre Aktien und werden richtig reich. Sie werden Millionen verdienen.“
    „Millionen, Senior? Und dann?“

    „Dann setzen Sie sich zur Ruhe und ziehen in ein kleines Fischerdorf. Sie schlafen lange, fischen ein bisschen, spielen mit den Kindern, machen eine Siesta mit Ihrer Frau und gehen abends ins Dorf, wo Sie mit Ihren Amigos Wein trinken und Gitarre spielen…“

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