Alles elektro oder was?

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Aus Berlin hört man diese Tage, dass Deutschland “Leitmarkt für Elektromobilität” werden soll.  “Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und BMW Finanzvorstand Dr. Friedrich Eichiner haben bei Gesprächen in München neue Kooperationsmöglichkeiten im Bereich alternativer Antriebe erörtert” – so das Bundesverkehrsministerium.

Das Ziel dabei: Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland unterwegs sein. Dank Konjunkturpaket II sollen für dieses Vorhaben 500 Millionen Euro bereitgestellt werden. Über Wasserstoff- Brennstoffzellen hinaus will Berlin nun auch beim Thema Elektromobilität eng mit dem Münchner Autobauer “zusammenarbeiten”.

Ich denke, wir sollten zum Leitmarkt für ein neues Mobilitätsdenken werden. Was wäre das ein Coup – Autoland Deutschland wird zum “Mobilitäts-Think Tank” und Innovationsgeber! Das wäre eine regelrechte Neuerfindung einer ganzen Industrie – und sicher eine Möglichkeit, die Krise als gewaltige Chance zu nutzen.

Firmen wie Better Place (wo sind die Better Places from Germany?) machen es vor – und hatten es vor der Krise hierzulande mehr als schwer, sich Gehör zu verschaffen.

Und wenn wir dann schon dabei wären, Mobilität völlig neu zu denken, um sie dann zu erfinden, wie wäre es, wenn wir dann strategisch so nachhaltig agieren würden, dass wir gleichzeitig unsere Elektromobile auch mit Ökostrom betreiben würden?! Da wird es dann zukunftsweisend, weil relevant für den Klimaschutz. Ansonsten blüht uns vielleicht (bis sicher) schon bald wieder eine Renaissance der plötzlich ergrünten Atomenergie oder der neuen “Wunderwaffe” Carbon Capture and Storage (Technologie der CO2-Abscheidung und -Speicherung).

Der Autobauer, der das anpackt, hat wirklich die Nase vorn – und zwar nachhaltig! …und vielleicht ein ganzer deutscher “Leitmarkt” gleich mit?! Es liegt an uns.

5 responses to “Alles elektro oder was?”

  1. WL

    Ich denke Mobilitätskonzepte bei denen Privatpersonen PKWs besitzen, sind generell nicht zukunftsfähig, egal ob die Autos nun mit Ökostrom oder Luft und Wasser fahren. Wir können es uns einfach nicht erlauben, soviel Ressourcen in den Bau von PKW und die dazugehörige Infrastruktur zu stecken (es sei denn wir verzichten dafür auf Häuser, oder so etwas). Wenn die PKW-Dichte global so wäre wie bei uns, wie sähe dann wohl der Stahl-Markt aus und wieviele Quadratkilometer fruchtbare Böden müssten Erz-Minen und ihrem Abraum weichen?

    Wir brauchen ein wirkliches Umdenken, neue Konzepte für einen individualisierten öffentlichen Verkehr auf dem Land (Anrufbussysteme, etc.) Ausbau des Schienennetzes und der Taktung des Bahnverkehrs (wie in der Schweiz), günstige Mobilitätskarten (Bahncard100 plus lokalem Nahverkehr zum erschwinglichen Preis, (gibts auch in der Schweiz)
    Was dann noch nicht abgedeckt ist, sollte zunächst mit flächendeckendem Car-Sharing erfolgen (da können dann die Elektro-Autos zum Einsatz kommen).
    PKW für Privatbpersonen nur noch dann, wenn dies z.b. für den Weg zum Arbeitsplatz oder aus gesundheitlichen Gründen nicht vermeidbar ist.

    Die Unter- und untere Mittelschicht wird sich in 10 bis 20 Jahren eh kein Auto mehr leisten können, egal womit das betrieben wird. Energie wird richtig teuer werden, da richtig knapp. Da ist es gerechter, wenn wir uns gemeinsam darauf einigen, alle zu verzichten, statt das die Oberschicht munter weiter Auto fährt, während alle anderen gar keine andere Wahl als den öffentlichen Verkehr haben. Der wäre dann auch sicherlich nicht besser ausgebaut als jetzt, wenn wir weiterhin soviel Geld in die PKW-Infrastruktur stecken.

    Ach ja, und zum Leitmarkt nöchte ich für gar nichts werden. Dieses Argument mit der Führungsposition auf Zukunftsmärkten ist letztlich schlichter Wirtschaftsnationalismus. Als Exportweltmeister überschwemmen wir die Welt eh schon genug mit unserer ressourcenvernichtenden Überproduktion. Jetzt sind endlich mal andere dran.

  2. Anna

    Hallo “WL”,
    danke für deinen Beitrag und ich stimme dir absolut zu, dass wir von dem “mein Auto-mein Ego” denken wegkommen müssen, weil -wie du das ja schon sagst – dieser Planet dies ganz einfach nicht verkraftet. Das ist mir klar, dir klar und vielleicht einigen anderen, aber wie man an den Berliner Diskussionen sieht, offensichtlich längst noch nicht common sense (weit davon entfernt) in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft und Politik. Das hat auch nichts mit Öko-Fatalismus zu tun, sondern es ist einfach eine Frage der Ressourcen: Unsere westliche Lebensweise ist so nicht übertragbar. Wir müssen diese ändern. Die Lösung muss also meiner Meinung nach heißen “Spaß am Verzicht und Umdenken” – Spaß aber auch an flexibler Mobilität. Es kommt immer darauf an, wie man das kommuniziert…siehe hierzu auch den Claim von Solon in Berlin “Don’t leave the planet to the stupid”.
    Insofern stimme ich deiner Forderung nach einer völlig neuen Idee von Mobilität zu – genau diese unterschiedlichen Formen muss moderne Mobilität kennen.
    Dennoch bin ich der Meinung, dass es nichts mit Wirtschaftsnationalimsus zu tun hat, wenn dieses Denken, von Deutschland aus oder von welchem Land aus auch immer, besonders intensiv “in die Welt getragen würde”. Hauptsache es passiert.

  3. Jan Schoenmakers

    Elektroautos ohne Ökostrom sind Schwindel, der lediglich die Energieoligopolisten bereichert, der Umwelt aber nichts bringt.

    Ein Auto, das mit dem normalen deutschen Strommix betrieben wird, verursacht kaum weniger Emissionen als dasselbe Fahrzeug mit sparsamem Diesel und Partikelfilter.

    Soll die Mobilität wirklich grün werden, müssen Partnerschaften mit Ökostromanbietern her – und auch nur solche E-Auto-Infrastrukturprojekte, die mit Ökostrom “laufen” sollten staatlich subventioniert werden.

    Leider paktieren bisher die Hersteller stattdessen mit den “üblichen Verdächtigen” (RWE, eon, Vattenfall), denen so bald auch noch die Tankstellen gehören werden…

  4. Anna

    @ Jan, vIelleicht sollte man mal eine Online Kampagne für “grüne Mobilität” starten..und das Anliegen direkt einmal dem Bundesverkehrsministerium ans Herz legen…schließlich gibt es dieses Jahr ja Wahlen zu gewinnen..

  5. Tobias

    der Schritt zur Elektromobilität ist unumgänglich, das haben auch die Chinesen schon erkannt.
    Wärend wir noch zaudern bringen sie die ersten
    massenproduzierten KFZ mit Reichweiten von 100 km rein elektrisch in die Verkaufsräume.
    Schläft nun Deutschland oder werden wir auch praktischer Teil des Umdenkens?

    Mehr auf infoeelektro.de

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