2008 lebten weltweit erstmals mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Steigende Erwerbstätigkeit der gut ausgebildeten Frauen (die genauso schnell wie ihre Partner an den Arbeitsplatz kommen wollen), steigende Energiekosten, kleinere Familien (also weniger Platzbedarf) und v.a. auch ein neues Selbstverständnis - das sind nur einige Gründen aus denen die Menschen wieder in die Städte zurück ziehen.
Aber das gilt nicht für jede Stadt (und auch junge Stadteile wie der Prenzlauer Berg haben die jungen Familien nicht gepachtet) und so beschäftigt sich die ZEIT in ZEIT WISSEN mit der “idealen Stadt”. Damit ist die ZEIT meiner Meinung nach wieder mal ihrer Zeit voraus und setzt die Themen: Die ideale Stadt wird am Beispiel Berlins (was “energetisch” gesehen nicht sehr gut wegkommt…) untersucht. Was muss die Stadt der Zukunft hinsichtlich Energie und Umwelt “können”? Welche Mobilitätsformen sind in Zukunft attraktiv? Und wie wollen wir zusammen leben, d.h. was muss eine Stadt sozial bieten (Stichwort Generationenhäuser, Generationen-Netzwerke etc…)?
Der Autor des aktuellen Beitrags zum Thema Energie, Jens Uehlecke, verweist auf Städte wie London, Wien und Frankfurt, die berechnen ließen “mit welchen Mitteln sich wie viel CO2 vermeiden lässt und was das kosten würde. Und dann entwickelten sie, was jede moderne Stadt dringend braucht: eine Vision.”
Wer Visionen entwickeln möchte, muss nah an den Menschen sein, die er für diese Vision gewinnen will. Ich bin der Überzeugung, dass die Sehnsucht nach Entschleunigung, nach “Entrümpelung des eigenen Lebens”, nach Sinnhaftigkeit durch Reduktion, nach Natur (was das für den oder die Einzelne auch immer bedeuten möge), nach Werten (bzw. werthaftem Handeln) und nach einem sozialen Gefüge in dem man verankert ist ganz wesentlich die unmittelbare und mittelbare Zukunft prägen wird. So findet der geneigte, weltuntergangsmüde Leser auf der aktuellen Titelseite von The Guardian (!!) eine ganz praktische Anleitung zur Selbsthilfe: “Get back into your garden” und in Deutschland erleben die Schrebergärten eine Renaissance, die man noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte – nur unter völlig neuen Vorzeichen.
Jetzt sind also neue Konzepte des städtischen Zusammenlebens gefragt. Konzepte, die soziale und ökologische Aspekte miteinbeziehen.
Ihr wollt mehr wissen? Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Transition Town Movement, den Stockholmer Öko-Stadtteil Hamarby Sjöstad oder den Freiburger Stadtteil Rieselfeld.














interessant in diesem zusammenhang finde ich auch das buch The Transition Handbook From oil dependency to local resilience von Rob Hopkins
Ein wichtiger Aspekt könnte dabei auch der Immobilienmarkt sein. Schließlich geben viele Leute einen großen Teil ihres Einkommens für die Wohnung aus. Schließlich ist eine hohe Energieeffizienz vor allem für die Leute interessant, die in einer Wohnung leben. Bei Mietwohnungen wären die nötigen Schritte aber vom Besitzer / Vermieter der Wohnung zu tragen. Insofern verhindert ein solches System eine Energiewende.
Einen interessanten und sehr erfolgreichen Ansatz für den Versuch Häuser dem Immobilienmarkt zu entziehen und in Selbstverwaltung zu überführen bietet das Mietshäuser Syndikat -ebenfalls aus Freiburg-. Übrigens braucht das Syndikat immer wieder Kapital in Form von Direktkrediten…
@ Alexander, danke für den Hinweis – das hört sich interessant an.
@ Sascha, was die Mietwohnungen anbelangt ist aber meine Erfahrung auch die, dass durch den Energiepass bei Altbauten Vermieter nun unter Druck geraten, die Wohnungen energetisch zu sanieren. Das können Sie nur begrenzt an die Mieter weiter geben, die ja allerdings auch wieder Energiekosten sparen. Ich kenne Fälle, in denen Vermieter jetzt durch den Energiepass íhre Altbauten komplett energetisch sanieren lassen. Insofern funktioniert dieses politische Instrument offensichtlich.
Das mit der Vision finde ich bemerkenswert! Reicht halt nicht, hier und da mal ein paar Altbauen zu sanieren. Sondern ausgehend von ner Vision, übergeordneten Zielen braucht man ne Gesamtstrategie – und natürlich konkrete Schritte zur Umsetzung..
Sehr spannend finde ich da was sich in KarmaCity, also Frankfurt tut..! Ausgehend von der Vision (Ökotropolis – siehe Studie “Frankfurt für alle”) scheint da an vielen Stellen was zu passieren – siehe Vorschrift öffentliche Bauten nur noch in Passiv-Haus-Bausweise zu errichten, Initiativen für mehr Radverkehr bis hin zur Meldung heute, dass die Traffiq (Nahverkehrsgesellschaft) von der EU zu einem Modellprojekt
zu nachhaltiger Mobilität Fördergelder erhält siehe: http://www.traffiq.de/1483.de.presse_informationen.html?_pi=31358
Da steht auch gleich drin worum es eigentlich geht: Änderung der Mobilitätsgewohnheiten..! und dafür dann neue ineinandergreifende System entwicklen.