Wertschätzende Kommunikation

Nach einem Konferenzmarathon in Berlin bin ich wieder in Frankfurt angekommen. Ich hoffe, dass die kommenden Tage für mich ausreichend Zeit der Reflektion der vielen Inspirationen und Gesprächen bereit halten.

Das gestrige Gespräch mit dem (Social) Entrepreneur Morten Lund der als Referent auf der Utopia Konferenz zum Thema „ Making a start in the crisis“ geladen war, hat mich so bewegt, dass ich kurz darüber schreiben möchte.

Ich hatte die Chance, mich kurz mit dem Serienunternehmer (Gründer von Skype) und Multimillionär persönlich zu unterhalten.

Auffällig war für mich seine Sprache und die wenig präsente Erscheinung, die im ersten Augenblick noch cool wirkte. Im Gespräch erschienen mir Morgans Gedanken dann doch verstreut und er wirkte auf mich wenig konzentriert. Seine Sprache und Wortwahl war geprägt von Fäkalausdrücken – in etwa jeden zweiten Satz kam das Wort „F***“ oder „Shit“ vor.

Das Gespräch mit ihm hüllte mich in eine anfangs anziehende und zugleich abstoßende Atmosphäre.

Anziehend weil ich in Morten einen großen Sucher sehe, der durch die Möglichkeiten seiner erfolgreichen Unternehmerhistorie soziale Projekte, wie sein Portfolio für nachhaltige Investments mit dem Namen WILD – Worldwide Investments and Involvement in Life Development, angeht. Vor reichen Menschen wie ihm, die sich wie er sozial engagieren, habe ich Respekt, denn es gibt genügend Millionäre, die sich um die Nöte der Welt gar nicht kümmern.

Mein Gefühl ist jedoch, dass in dieser wohlhabenden Schicht ein weltweites Umdenken stattfindet. Oder um es in Peter Unfrieds Worten aus seinem super Abschlussvortrag “ der Utopia Konferenz „Roadmap in die Zukunft zu formulieren: „Die Wohlhabenden werden zukünftig mehr teilen müssen.“

Gewundert hat mich, dass viele Menschen auf der Utopia Konferenz diese Art zu sprechen scheinbar cool und erstrebenswert finden. Das ging bis hin zu öffentlichen Zitaten eines Award-Preisträgers auf der Bühne, der sich in Respekt vor Morgan noch mal dem „F***“-Wort bedienen musste.

Die Auswirkungen eines solchen Sprachgebrauchs wurden scheinbar völlig unreflektiert als amüsant erlebt.

Aus der yogischen Sicht versuche ich persönlich, erniedrigende, negative und nicht wertschätzende Worte aus meinem aktiven Wortschatz zu verbannen. Ich bin überzeugt, dass wir mit Sprache unserer Wirklichkeit kreieren. Ein Teil der sozialen Probleme in unserer Gesellschaft hängen meiner Meinung nach unmittelbar mit der weitverbreiteten nicht wertschätzenden Kommunikation im Privaten und in den Medien zusammen.

Wir, die wir uns mit Nachhaltigekeit beschäftigen sollten bei uns anfangen, etwas zu ändern. Und Sprache ist da ein großer Hebel. In diesem Sinne möchte ich alle um eine respektvollen und wertschätzenden Umgang bitten. Dies kann man täglich üben oder auch mal einen Kurs in Gewaltfreier Kommunikation besuchen. Oder sich mal an kreativen Aktionen wie „Love Guerilla“ beteiligen.

Und als abschließende praktische Übung für mich, möchte ich noch ein dickes Dankeschön und Lob an Dannie Quilitzsch aussprechen, die die Utopia Konferenz wieder super organisiert hat.

8 responses to “Wertschätzende Kommunikation”

  1. Horst

    Ich gebe Dir vollkommen Recht.

  2. Claudia

    Ja, obwohl eingeladen, konnte ich leider nicht live in Berlin dabei sein, habe aber sehr konzentriert manche Beiträge im live stream erlebt.
    Morten Lund.
    Hm.
    Erstmal beeindruckt die Sprache durch ihre ‘lässige’ Art.
    Da steht einer, der hat es zu viel Einfluss und Geld gebracht, wird als Redner eingeladen, ist jung und pfeift auf Konventionen.
    Stimmt, das allein macht es attraktiv.
    Der ist anders.
    Ich musste auch erstmal laut loslachen.
    Es hat den Effekt, dass das Publikum aufmerksamer zuhört. Und sich mit der Rebellion gegen die übliche Konferenzsprache identifiziert.
    Und diese Art der Sprache unterstützt natürlich auch den ‘Dagegen’ Charakter der Inhalte.
    Wir dürfen uns von wem oder was auch immer nicht kleinmachen oder aufhalten lassen.
    Und wer auch immer der Gegner ist wurde mit einem deftigen F* Wort versehen.
    Das polarisiert.
    Und bestimmt erreicht es auch deshalb viele von uns.
    Manchmal ist expressive Sprache nötig, um Aussagen auch emotional auf den Punkt zu bringen.
    Und manchmal auch sehr angebracht, um Massen zu erreichen.
    Aber sie kann trotzdem gewählter und gleichzeitig geistvoller sein.
    Ich persönlich lehne auch den Gebrauch bildhaft negativer Worte ab, weil Sprache Bilder in uns entstehen lässt, die wir mit uns herum und weitertragen.
    Wir machen Realität mit all unseren Aktionen und Worten.
    Auf seiner website steht, dass Morten Lund in einigen Monaten mehr auf die Beine gestellt hat, als manche in einem ganzen Leben jemals könnten.
    Wer liest, wie viele Firmengründungen, -entwicklungen und -abstürze Morten Lund so mitgetragen hat, der versteht vielleicht, dass der energetisch dermaßen auf der Überholspur fährt, dass wohl eine solche Wortwahl als Ventil des großen Drucks dient.
    Ich hab da schon andere mit noch höherer Fluchfrequenz erlebt….
    Ich würde ihm einen etwas langsameren und reflektierteren Ansatz wünschen, dann könnten sich die Fäkalien in der Sprache in Ruhe zersetzen und zu Dünger für
    erfrischende Wortgewächse werden, denn seine Inhalte haben es verdient.
    Morten Lund, wir sind gespannt!

  3. Anna

    Christoph, ein guter Beitrag – ich empfand das genauso!

  4. Katharina Wyss

    Mitmachen, um offene, verständliche und faire Kommunikation zu üben:

    WORKSHOP IN BERLIN
    In das neue Jahr starten mit „Gewaltfreier Kommunikation“
    Sa/So 9./10.1.2010
    Mit Jones Kortz und Kolja Güldenberg, nach Dr. Marshall Rosenberg
    2 Tage von 9.30 bis 17.30 Uhr, max.16 Teilnehmer
    150 EUR*, Anmeldung möglich bis 10.12.2009
    Zielgruppe: Teamleiter, Selbständige, Familienmanager, Solisten, offene Menschen

    Weitere Infos*/Fragen: wyss@goldboerse.net
    * individueller Sozialrabatt möglich
    Ort: Stadtgut Blankenfelde, 13159 Berlin-Pankow, Hauptstraße
    „Wo die Stadt noch gut ist“

  5. Frederik

    Ich denke auch, dass Du vollkommen Recht hast! Es freut mich, dass Du das ansprichst. Sprache formt unser Denken und die Art wie wir die Welt wahrnehmen. Das ist anhand von Rollenbildern schon sehr ausführlich diskutiert worden. Neben diesen verkrusteten Weltwahrnehmungen – die schon sehr alt sind und die beispielsweise durch das gendern von Sprache überholt werden können – bemerkt man aber in den letzten Jahren einen starken Trend zu Kraftausdrücken. Das erscheint mir als ein vor allem elitäres Phänomen. Menschen die etwa gut im englischen sind, ahmen auf eine gewisse Art die Slangsprache nach, um sich abzuheben, Dinge und Personen herabzusetzen oder einfach um als besonders bodenständig zu erscheinen.

    Zunächst war ich nach dem Vortrag auch verwundert, dass eine solche Faszination davon ausging. Am Ende ist jedoch klar, das es passt. Viele Menschen im nachhaltigen Feld nehmen sich scheinbar als zu elitär war. Auch hier kann man wieder Peter Unfried in seinem Schlussvortrag zitieren: “Es braucht eine Aventgarde die voran geht.” Sie sollte dies aber nicht durch Überheblichkeit und Arroganz, sondern durch Respekt und Fairness im Umgang, auch und vor allem durch Sprache, tun.

  6. Gabi Schares

    Hallo zusammen,
    die Sprache ist ein Ausdruck der Denkweisen und -muster und spiegelt diese nach außen.
    Ich habe 2 pupertierende Kinder und die Ideale heute heißen COOL SEIN, SEXY SEIN. Dabei geht Sprachkultur genauso wie der darin verankerte Respekt für den Gegenüber verloren. Ich bedaure das sehr, dass es offenbar nach der Pupertät nicht aufhört. Gewaltfreie Kommunikation als Kontrapunkt kann ich allen wärmstens empfehlen für alle, die diesem Trend etwas entgegensetzen wollen. Wer keine Zeit oder Geld für noch ein Seminar hat, kann es sich ja erst mal als Hörbuch ISBN 978-3-88698-382-7 auf den Ohren zergehen lassen.
    Liebe Grüße und einen friedlichen Avent

  7. ANTI·GLAMOUR·LEAGUE

    Über die Sprache hinausschauen ist noch mehr hilfreich.
    In einem Satz kurz und knapp:

    Was wir heute DENKEN werden wir morgen SAGEN und übermorgen TUN.

    Cheers,
    Stephan

  8. Katharina Fatrlda

    Danke für den Beitrag. Ich bin so froh, dass ich Eure inspirierende Seite gefunden habe.

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