
Gastbeitrag von Jana Kern
C&A und H&M haben ehrgeizige Ziele: Beide Modeketten haben in den vergangenen Tagen ihre aktuellen Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht und wollen ihr soziales und ökologisches Engagement deutlich verstärken.
C&A hat u.a. angekündigt, bis Ende kommenden Jahres 23 Millionen Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle herzustellen und zu verkaufen. Das entspricht 10% des gesamten C&A-Baumwollsortiments. 2008 waren es 15,3 Millionen Artikel. Damit war C&A europaweit der größte Abnehmer von Bio-Baumwolle.
H&M gibt die Mengen nicht in Stückzahlen, sondern in Tonnen an: Die Mengen Bio-Baumwolle sollen von 8.500 Tonnen im Jahr 2009 auf 15.000 Tonnen im Jahr 2013 steigen. Auch der Anbau der konventionellen Baumwolle soll optimiert werden. H&M will bis 2020 zu 100% auf “sustainable cotton”, also ökologisch optimierte Baumwolle, umstellen. C&A arbeitet an ähnlichen Projekten. Auch mit Bio-Leinen, Bio-Wolle und recycelten Materialien wird experimentiert.
Die ausführlichen Berichte können im Internet herunter geladen werden:
C&A: de-de.cunda.de
H&M: http://www.hm.com
Bildquelle Hess Natur










…bedeutet auch, PR entsprechend zu kennzeichnen und nicht als “Gastbeitrag” zu verschleiern. Wie wäre es mit: “Und nun wieder etwas aus der Rubrik: Wie Unternehmen sich selbst darstellen möchten”. Denkt mal drüber nach. BTW Die Rezeption von konsumpf.de liegt euch ja nicht fern. Letztens gab es einen interessanten Beitrag: http://konsumpf.de/?p=7519
Das wärs. Macht weiter so! Ohne “Gäste” wäre es vielleicht aber doch authentischer. Grüße L
Hallo L,
danke für Deinen Kommentar.
Den Vorwurf der Verschleierung möchte ich deutlich zurück weisen. Zum einen haben wir das gar nicht nötig und zum anderen ist Jana eine anerkannte Expertin und Fachjournalistin für Eco-Fashion. Wir sind froh und dankbar, dass sie jetzt zum zweiten Mal für uns schreibt.
Meine Vermutung ist, dass dir der Bericht als PR erscheint, weil er in für KarmaKonsum ungewohnter Weise unpersönlich geschrieben ist. So ist es für Jana als “klassische” Journalistin vermutlich ein Lernfeld, dass in Blogs nicht die journalistisch objektive, sondern die subjektive Meinung des Bloggers zählt.
Deine Idee mit der Rubrik finde ich nicht sinnvoll, weil wir uns nicht als Sprachrohr von Unternehmen verstehen. Wir berichten ganz subjektiv über Dinge, die uns relevant und wichtig erscheinen. In diesem Fall war die Meldung für Jana wichtig.
LG
Christoph
Hallo L, hallo Christoph,
ich gelobe Besserung, zumindest was die Blogger-Sprache betrifft! Denn in der Tat bin ich, wie man sieht, nicht sehr geübt und es fällt mir leichter in Journalisten-Manier alles immer schön nachrichtlich zu halten.
Was den Inhalt der Meldung betrifft: Ich mache ehrlich gesagt keinen Unterschied, zwischen kleinem oder großen, konventionellen oder Öko-Labels – wenn jemand etwas im Hinblick auf soziale oder ökologische Aspekte bewegt, dann finde ich das berichtenswert. Bei C&A und H&M stehen ziemlich Mengen dahinter, wovon der gesamte Markt profitiert. Immerhin wurden im vergangenen Jahr bei Bio-Baumwolle zum ersten Mal stocks (Überhänge) produziert. Viele Baumwoll-Bauern sind verunsichert, ob sie weiterhin auf den Bio-Anbau setzen sollen. Die Alternative ist häufig GM-Cotton! Somit ist es wichtig, dass weiterhin Nachfrage nach Bio-Baumwolle erzeugt wird. Von wem auch immer.
Das da oben war ein Kommentar von Jana – auch das lerne ich noch…
LG, Jana
Dieser Beitrag ist wirklich furchtbar. C&A und H&M inszenieren sich allerorten als nachhaltige Unternehmen. Was für einen Schrott sie als Biobaumwolle verkaufen, verraten sie nicht. Das erfährt man – mit etwas Glück – aus der Presse: http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:trendgeschaeft-biotextilien-betrug-mit-angeblicher-biobaumwolle/50063980.html
Hallo Jana und Christoph,
ersteinmal finde ich es großartig, das Jana – eine anerkannte Expertin und Fachjournalistin für Eco-Fashion – euch bei Beiträgen unterstützt, Gastbeiträge schreibt.
Zum zweiten Mal? Unter welchem Thema war der erste Beitrag?
“… in für KarmaKonsum ungewohnter Weise unpersönlich geschrieben ist. So ist es für Jana als “klassische” Journalistin vermutlich ein Lernfeld, dass in Blogs nicht die journalistisch objektive, sondern die subjektive Meinung des Bloggers zählt.”
Sehe ich nicht zwingend. Die “journalistisch objektive” Meinung ist für mich eine andere Sichtweise und ich finde bereichernd.
“Wir berichten ganz subjektiv über Dinge, die uns relevant und wichtig erscheinen. In diesem Fall war die Meldung für Jana wichtig.” Aussage triffte es genau, sehe ich ebenso!
Die Darstellung und der Inhalt des Themas “Deutlich mehr Bio-Baumwolle bei C&A und H&M” kommt klar und deutlich rüber. Sachlichkeit und Objektivität sind passend.
Beitrag sehe ich überhaupt nicht als PR. Verschleierung schon mal gar nicht, auf die Idee wäre ich überhaupt nicht gekommen.
@Julius
. Dann wünsche ich dir viele Sonnentage. Falls dich Praktikum im Bereich Finanzen und Controlling reizt, ich brauche auch Unterstützung.
Hey Julius,
Willkommen! Hoffe, von dir gibt es noch weitere Gastbeiträge!
So, so “…an sonnigen Tagen die Assistenz der Geschäftsleitung…”
Viele Grüße, Yvonne
@Ben: Der Artikel und der Betrugsfall aus der FTD wurde auf der Biofach ausführlich von Experten auf dem Organic-Textile-Symposium diskutiert., Das kurze Fazit: Der Skandal war keiner, denn die Berichterstattung war schlichtweg magelhaft. ein differenzierter Bericht dazu hier: http://www.ecofashionworld.com/Ethical-Hotwire/GMO-IN-ORGANIC-COTTON.html
Keiner hat je auf KarmaKonsum behauptet, das H&M und C&A nachhaltige Unternehmen sind. Nur wir sollen auch Respekt davor haben, wenn sich solche größen Plyer auf den Weg machen. Ohne deren Veränderung werden wir die Welt nicht retten.
@ Yvonne: Danke für die Blumen.
Es freut mich, dass das Thema FTD-Artikel hier in diesem Zusammenhang auftaucht. In der Tat war der Artikel sehr schlecht recherchiert und die Zahlen, die darin aufgetaucht sind völlig haltlos. Das ist mittlerweile von vielen Seiten belegt worden, schade dass die FTD es nicht für nötig hält, das richtig zu stellen.
Man muss die Dinge aber dennoch nicht beschönigen. Es gibt Probleme, dass Spuren genmanipulierter Baumwolle in Bio-Baumwolle zufinden sind. Das kann passieren, wenn Felder direkt nebeneinander angebaut wurden oder wenn die BW-Säcke nicht in ausreichendem Abstand gelagert werden. Oder aber wenn GM-Cotton-Ware und Bio-BW-Ware in einer Fabrik produziert werden. Das gibt es sicherlich noch viel zu optimieren.
Viel schlimmer allerdings finde ich, dass in Indien mittlerweile ca. 70% der Baumwolle generell genmanipuliert ist. Ich würde mal schätzen, dass weit über die Hälfte aller konventionellen BW-T-Shirts, die wir so tragen aus GM-Cotton sind. Das ist das, worüber man mal diskutieren sollte! Darüber hätte die FTD was schreiben sollen und nicht von den minimalen Spuren von Verunreinigungen! Auch das gilt es zu verbessern, gar keine Frage.
Viele Grüße, Jana
@Christoph: Danke für den Link. Leider wird dort nicht erwähnt, was mit der vermeintlichen Biobaumwolle geschah. Sollte sie falsch deklariert verkauft worden sein, ist das nicht okay.
Natürlich hoffe ich, dass große Unternehmen wie H&M ihren Einfluss nutzen, und die Inder eines Tages auf den genmanipulierten 70 % ihrer Baumwolle sitzen bleiben. Aber solange bei schlechter Presse immer nur der schwarze Peter hin- und hergeschoben wird, beobachte ich derlei Engagement kritisch.
Biobaumwolle schön und gut. Ob es wirklich eine ist, da muss man wohl immer vertrauen, ob große Kette oder kleiner Anbieter.
Was mich interessieren würde, ist, ob H&M und Co diese auch fair bezahlt und nicht in Billiglohnländern nähen läßt. Gibt es auch darüber einen vertrauenswürdigen Bericht?
Im H&M Webshop findet man bei den wenigen Stücken, die in Biobaumwolle angeboten werden, keine Angaben darüber, wo die Baumwolle angebaut wurde und wo Stoff gefertigt und genäht wurde. Bei Hess Natur ist das angegeben. Solange ich darüber keine Info habe, werde ich weitere Jahre ohne H&M und C&A verbringen.
Heiße Diskussion habt ihr hier.
Dadurch denke ich gerade darüber nach, wie Mode versucht Individualität zu verkaufen und Stile und Trends auf einmal auf Öko-Cotton bezieht…
23 Millionen Teile? Und das sind 10% des Baumwollsortimentes? Also 230 Mio. Teile. Dazu kommen bestimmt noch Polyester Stoffe, Leder und Leinen.
Wer produziert diese Mengen? Roboter? Kinder? An der Armutsgrenze lebende Menschen in übervölkerten Regionen, die nicht selbständig gemacht werden?
Weltretten mit Hilfe großer Multikonzerne für die nur die Rendite zählt?
Mein Ziel mit ANTI·GLAMOUR·LEAGUE ist: Made in Germany! Warum denn ins Ausland zum produzieren gehen. Hier gibt es viele gute kluge Köpfe, das Handwerk und kurze Wege.
War das jetzt PR für AGL? Ein Gastbeitrag? Oder ein Kommentar? Hm, vielleicht auch nur freie Meinung?
Stephan
Kommentar zu: “Deutlich mehr Bio-Baumwolle bei C&A und H&M”…
Auf Karma Konsum gibt es einen Post darüber das H&M und C&A mehr Bio-Baumwolle in ihr Sortiment aufnehmen. An und für sich ist das eine gute Nachricht. Nur wo und wie wird diese Baumwolle angebaut. Und wer fertigt die geplanten 23 Mio Teile (…
Viele Fragen! Vielleicht weiß ich ein paar Antworten:
Wo kommt die Bio-Baumwolle von C&A und H&M her? Größtenteils aus Indien. Beide kooperieren vor allem mit der Organisation Organic Exchange. Wo wird gefertigt: Wie bei den meisten Modeunternehmen in Bangladesh, China, Indien etc. So ist die Realität. Ist das verwerflich? Schwierige Frage. Je nach dem welche Bedingungen in den Produktionsstätten vorherrschen und wie stark sie kontrolliert werden und was bei Missständen getan wird. Kinderarbeit? Ist laut COC natürlich nicht zulässig, aber lässt sich wahrscheinlich nicht ganz ausschließen. Faire Löhne/FairTrade? Für Bio-BW wird mehr gezahlt, aber es gibt soweit ich weiß keinen Mindestlohn oder eine Prämie wie z.B. bei dem Label FairTrade. FairTrade-Baumwolle wiederum ist nicht zwangsläufig Bio-Baumwolle. Ein Label, das Soziales und Bio vereint ist GOTS. Das ist das Label, dem ich am meisten vertraue. Es gibt mittlerweile viele GOTS-gelabelte Stoffe, aber noch wenige GOTS-gelabelte Textilien. Gibt es die bei H&M & C&A? Fragt nach! Ich weiß es auch nicht genau. Vertrauen? Das ist in der Tat ein sehr persönliches Ding. Ich vertraue auch eher einem kleinen Label. Wobei man auch sagen muss, dass die sich meistens auf die gleichen Zertifizierer verlassen wie ein H&M oder ein C&A. Kaum jemand hat die Möglichkeiten/das Geld, um selbst zu kontrollieren. Was tun? Nachfragen! Druck machen! Sich eine eigene Meinung bilden! Aufmerksamkeit schaffen! Ich bin immer wieder entsetzt, wie wenige sich mit dem Thema tatsächlich befassen oder sich ernsthaft dafür interessieren. Gute Infoseite: http://www.organiccotton.org, Rubrik “library”.
LG, Jana
Ich bin auch skeptisch, vor allem wenn ich mit dem Chefredakteur der allewelt Österreich spreche, der diese Regionen laufend bereist. Ein normaler Bericht über die dortigen Verhältnisse klingt für unser immer gleich haarsträubend.
Und die Geiz-ist-geil Mentalität (also der Konsum-Cocktail aus Materialismus und Relativismus) wird wohl so schnell nicht verschwinden, weswegen ein 100% fair traded für mich erstmals nicht glaubwürdig klingt.
Es wäre wirklich super, wenn diese Versprechen Realität werden würden!
lg Dominik
Also ich trau dem Braten nicht. Und wenn ich mich recht erinnere hat zumindest H&M da doch auch mächtig geschummelt oder? Irgendwas war da. Zumindest erscheint mir das ein wenig realitätsfern, wenn Discounter auf einmal anfangen mit Bio-Baumwolle zu werben. Versteht mich nicht falsch, es wäre toll, würde das irgendwann weiter verbreitet werden, bis dahin bleib ich aber bei den einschlägigen und renomierten Fachhändlern (bsp: http://www.deerberg.de ) , die sich wirklich auf ein konsequentes Konzept in Punkto Nachhaltigkeit spezialisieren.