Thema: “Social Banking: Maßvoll und erfolgreich wirtschaften”
Andreas Neukirch, geb. 1960, ist Vorstand der GLS Bank sowie Vorstand von INAISE (International Association of Investors in the Social Economy). Er gilt als Vordenker auf dem Gebiet “Social Banking” und er treibt maßgeblich die internationale Zusammenarbeit sozialökologisch orientierter Banken voran.
Maßvoll und erfolgreich wirtschaften: Wir erleben heute eine gesellschaftliche Entwicklung, die von massiven Verwerfungen geprägt ist. Diese Verwerfungen zeigen sich vor allen Dingen im Wirtschaftsleben. Eine Immobilienkrise in Nordamerika mit Ansteckung zur weltweiten Finanzkrise; eine Griechenlandkrise mit Ansteckung auf das gesamte
Euro- System; und Rohstoffkrisen mit entsprechenden Versorgungsengpässen in der Ernährung weltweit. Jedes Mal werden wir mit fortgeschrittenen Eskalationsstadien konfrontiert, mit meistens weltweiter Relevanz.
Ohnmacht ist dabei ein sehr verbreitetes Gefühl, aber auch die Suche nach neuen Lösungen im Sozialen wird ergriffen. Immer mehr Menschen beschäftigen sich damit, für welche Perspektiven sie sich eigentlich einsetzen wollen.
Hier setzen die Überlegungen an, die in der Arbeit der GLS Bank eine zentrale Rolle spielen. Vor allem Wirtschaften stellt sich die persönliche wie gesellschaftliche Frage nach dem Grund bzw. dem Anlass. Dieser Grund / Anlass liegt in den Bedürfnissen der Menschen, sowohl individuell sowie auch gesellschaftlich. Diese sind es, die zu befriedigen wir stets anstreben. Die Lösungen lassen sich dann häufig im Wirtschaftsleben finden.
Es sind unsere Grundlebensbedürfnisse, für die Lösungen gesucht werden, als da wären das Ernährungs-, Energie-, Wohnungs-, Bildungs-, Kultur- und Gesundheitsthema. Erst, wenn dort klares Bewusstsein entwickelt wird, was wir brauchen und was wir für eine perspektivenreiche Zukunft veranlagen sollten, kommt es zu entsprechenden Ideen. Und diese Ideen haben dann selbstverständlich auch etwas mit ökonomischem Einsatz von Ressourcen zu tun.
Erfolgreich wirtschaften heißt also, im Kern das Befriedigen elementarer menschlicher Bedürfnisse. Das Wirtschaften hat damit lediglich den Status eines Instruments. Schon gar nicht ist der ökonomische Gewinn am Ende des Wirtschaftens
ein eigenständiges Ziel. Er hat den Charakter von Sauerstoff, den wir alle brauchen, aber für den Sauerstoff stehen wir morgens nicht auf, sondern für das, was wir im Leben erreichen wollen.
Die GLS Bank formuliert das mit folgender Definition für Nachhaltigkeit: Triple Bottom Line: People / Planet / Profit Unsere Übersetzung hierfür ist: Sozial / Ökologisch / Ökonomisch. Sozial: Sie investieren in die menschlichen Bedürfnisse
(Energie, Bildung, Wohnen, gesunde Ernährung, Kunst und Kultur). Ökologisch: Sie bewahren und entwickelnd die natürlichen Lebensgrundlagen. Ökonomisch: Sie gewinnen eine entsprechende ökonomische Rendite sowie Entwicklungschancen für die Zukunft. Das ist ihre Maßstäblichkeit.
Der ganz große Strom unserer Zeit stellt aber diese Verhältnisse auf den Kopf. Häufig sind wir mit Formulierungen wie „Wenn wir aus dem Wirtschaften nicht hohe Renditen erzielen, haben wir doch für alles andere, Soziales, Kulturelles und für Ökologie kein Geld“. Dieser massiven Umdrehung von Ursache und Wirkung gilt es, mit einem neuen Geist im Geschäftsleben zu begegnen und es wieder zu drehen. Der Beitrag liegt dabei in der Verbesserung von Entscheidungsgrundlagen:
mit einer umfänglichen Transparenz bei der Verwendung des angelegten Geldes, dass die Menschen ihre Entscheidung in dem Bewusstsein über den Nutzen treffen können.
Damit wird ein erster Baustein bereitgestellt, um die Ursache- / Wirkungszusammenhänge wieder in die richtige
Reihenfolge zu bringen. Erst, wenn die Menschen darüber aufgeklärt sind, welche Projekte mit ihrem Geld finanziert werden, welche Gesichtspunkte im Sozialen, im Ökologischen und Ökonomischen damit erreicht werden, entsteht Entscheidungsfähigkeit.
In diesem Sinne gestaltet Geld Gesellschaft.









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