Ich führe ja gerade im Rahmen meiner Dissertation qualitative Telefon-Interviews mit Experten auf dem Gebiet Nachhaltigkeit. Auch so gestern mit Johannes Heimrath, einem für mich persönlichen Impulsgeber und Vorbild. Allerdings konnte ich mich in diesem Gespräch nicht wie gewohnt an meinem Interviewleitfaden orientieren. Damit werden die Inhalte nicht direkt in die Arbeit eingehen. Aus diesem Grund veröffentliche ich das fast einstündige Gespräch heute als Podcast.
Hintergrund, warum das Gespräch “aus dem Ruder lief” war, dass mein Ansatz, wie wir nachhaltigkeitsorintierte Menschen in Unternehmen empowern können, für Johannes nicht (mehr) relevant ist, weil er davon ausgeht, dass das aktuelle wirtschaftliche System nicht transformiert werden kann, sondern kollabieren wird.
Insgesamt hat das Gespräch mich SEHR nachdenklich und hofflungslos gestimmt. Das hat Johannes wohl auch gespürt und mir direkt nach dem Telefonat diese Email geschickt:
Lieber Christoph,
und wenn nur übrigbleiben würde, dass auch du mich zu radikalen Gedanken anstachelst, wäre es allemal die Stunde wert gewesen. Ja, ich muss dich unbedingt darin bestärken, diese Arbeit zu machen, denn in dem Versuch, die Dinge einigermaßen aus der Kontinuität heraus fortzuschreiben, liegt ja eine große Hoffnung und womöglich auch eine bisher ungesehene Chance, ohne Katastrophe aus dem Schlamassel herauszukommen.
Und nur weil ich diesen Weg noch nicht gefunden habe, will ich mich ja gar nicht dem verweigern. Insofern ist mir das Gesopräch mit dir immer sehr kostbar, weil mich deine guten Gedanken sehr konkret herausfordern, mich in reale Lebenssituationen hineinzudenken und mir vorzustellen, was man wirklich, wirklich tun kann, wenn einem die ganze dramatische Wirklichkeit bewusst wird.
Liebe Grüße und danke nochmal für auch deine Zeit!
Johannes
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Sehr interessantes Gespräch. Ich stimme Johannes Heimrath in Vielem zu. Eine Transformation konventioneller größerer Unternehmen halte ich auch für kaum nmöglich. Zumindest in der Kürze der Zeit, die uns für eine Nachhaltikeitswende noch bleibt.
Gegen ein freiwilliges Umsteuern sprechen auch schlicht die auf kurzfristige Gewinnmaximierung festgelegten Eigentums- und Kapitalisierungsstrukturen. Erst recht bei Börsennotierung.
Natürlich wäre es denkbar, dass staatliche oder besser internationale und hoffentlich demokratisch abgestimmte Regulierungen alle Marktteilnehmer zu einem weitgehenden Kurswechsel zwingen. An diesem Kurswechsel würden dann sicherlich viele Unternehmen scheitern, aber es würde wenigstens ernsthaft versucht. Eine solche Regulierung müsste jedoch wohl zwangsläufig auch viele Märkte/Produkte schlicht vollständig unterbinden.
Genau das spricht Herr Heimrath ja auch an. Die Mehrheit der heute produzierten Dinge ist weder nachhaltigkeitsfähig noch überlebenswichtig.
Die spannende Frage wäre eigentlich, wie wir Unternehmen dabei unterstützen können, die Notwendigkeit ihrer freiwilligen Selbstauflösung zu erkennen
Weitere Gründe, warum das Umsteuern so schwierig ist, findest du hier:
http://books.google.com/books?id=iXxTGzNXZxkC&printsec=frontcover&dq=inauthor:%22Jens+Clausen%22&hl=de&ei=PSqgTvmlI9DxsgaIqfWYAw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CDIQ6AEwAA#v=onepage&q&f=false
Beispiele für Mitarbeiter, die – teilweise erfolgreich und teilweise nicht – in ihrem Unternehmen kleine ökologische Maßnahmen angeregt haben, habe ich mehrfach bei utopia.de gelesen.
Realisiert wurden in der Regel nur solche Maßnahmen, die Kosten sparen und dadurch den Gewinn erhöhen…
Hallo Christoph,
hier findest Du eine logische Argumentation – der ich umfänglich zustimme, warum es in unserem bestehenden System keine Nachhaltigkeit geben wird:
http://rossner.me/nachhaltigkeit-in-der-marktwirtschaft-eine-un
LG
Daniel
interessantes interview!
das problem ist aber vor allem kein inhaltliches, sondern ein methodologisches. das interview ist einfach verkehrt geführt worden. entweder ist man in seiner diss schon weiter, und hat im zuge des forschungsprozesses eine wortwahl gefunden, die “innovation”, “motivation” oder andere kategorien differenziert begründet und im kernbereich unantastbar macht. und man hat vor allem interviewpartner, die diese semantik anerkennen, oder die möglichkeit haben sie nachzuvollziehen.
oder man ist halt noch nicht so weit, und ist eher auf themeneingrenzung u. exploration angewiesen.
in jedem fall würde ich aber vermeiden, direkt zu beginn mit abstrakten und komplexen fragen aufzuschlagen. das ist in etwa so, als würde man im fünften gang anfahren.
davon abgesehen halte ich den hier angestrebten bewusstseinswandel in (!) globalen konzernen für eine vollkommene utopie, eine, die sogar noch utopischer ist als das absterben des kapitalismus und die einführung von sozialismus o.ä. insgesamt. es sei denn natürlich, chinesen, brasilianer oder inder neigten in gleichem maße zur verbesserung der welt über nachhaltigen konsum. aber das scheint mir doch arg weit hergeholt.
die einzige rettung für die welt ist nicht das e-bike, sondern lowtech, handwerk und lokal angepasste handlungsstrategien. für sowas braucht man aber weder großunternehmen, noch die produkte, die sie herstellen.
Lieber Knus,
danke für Deinen Kommentar. In der Tat geht es mir aktuell erst einaml darum, das Thema einzugrenzen.
Der Wandel, den wir benötigen muss vielfältig sein und die Wirtschaft ist ein wichtiger Teil davon. Mir geht es nicht nur um Großkonzerne sondern mir geht es um ein generellen Bewusstseinswandel, dass die Wirtschaft aus Menschen besteht. Und das diese Menschen in ihrer Funktion als Mitarbeiter einen Beitrag zu einer besseren Welt leisten können.
LG
Christoph