Entweder Nachhaltigkeit oder Wirtschaftswachstum – nicht nur auf Wirtschafts- sondern auch auf Wirtschafskritiker-Seite gibt es Vertreter, welche die Meinung vertreten, dass diese Ziele unvereinbar sind. Natürlich ist es richtig, dass mit dem Atom-Ausstieg viele Arbeitsplätze verloren gehen, doch dass diese durch die Schaffung neuer „grüner“ Jobs mehr als ausgeglichen werden, zeigt unter anderem der im November veröffentlichte Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, UNEP.
Zunächst das Unerwartete: weltweit investiert kein Land mehr in erneuerbare Energien wie die Volksrepublik China. Diese sowie andere Nachhaltigkeitstechnologien will China in den nächsten fünf Jahren mit 468 Milliarden US-Dollar mehr als doppelt so viel fördern wie in den vergangenen fünf Jahren. Durch das voraussichtliche jährliche Wachstum von 15-20 Prozent, könnte der Umweltschutzsektor bis zum Jahr 2015 mit 743 Milliarden US-Dollar bereits vier Mal so viel zum chinesischen Bruttosozialprodukt beitragen wie in 2010.
„Warum sollen wir nachhaltiger werden, wenn die Umwelt den Chinesen doch egal ist?“ ist eine Frage, die bisher nicht nur die deutsche Schwerfälligkeit rechtfertigen sollte und die sich somit nicht mehr stellt. Hingegen scheint es so, dass China die Zeichen der Zeit verstanden hat und entsprechend reagiert. „Für China ist der Wandel zur ‚Green Economy’ eine strategische Wahl in einer Welt mit zusehends knapper werdenden Ressourcen“, so He Bingguang, Verantworlicher, der einflussreichen chinesischen Entwicklungs- und Reformkommission für Umweltschutz.
Eine weitere gute Nachricht: Auch in armen Ländern hat der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit stark an Bedeutung gewonnen, wie zum Beispiel in Südafrika, wo mit der Sanierung von Wasserquellen 25.000 neue Jobs geschaffen wurden.
Auch die deutsche Situation wird beleuchtet: aufgrund der erhöhten Ausbauziele für erneuerbare Energien wird Deutschland zwar gelobt, doch gäbe es hier in dieser Branche bereits einen Fachkräftemangel.
Der Wandel zu einer „grüneren“ Wirtschaft bedarf laut UNEP eines finanziellen Anstoßes, wobei schon das Streichen umwelschädigender Subventionen eine gute Finanzierungsquelle böte. Um mit den Worten von UNEP-Chef Achim Steiner zu schließen: „Wir haben Unmengen Möglichkeiten – wenn es gelingt, die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik zu mobilisieren.“














Grüne Wirtschaft ist ein sehr unscharfer Sammelbegriff. Es ist ja nicht so, dass die Photovoltaik- und Windkraftanlagen ökologisch verträglich, geschweigen denn irgendwie sozial/fair produziert werden.
Und investiert wird in Erneuerbare überwiegend nicht aus Umweltschutzgründen, sondern weil bei derzeitigen Rohstoffpreisen die Erneuerbaren hochprofitabel sein können. Dass kann z.b. bei der Photovoltaik auch wieder Richtung Kohle oder Ölschiefer kippen, da ja einige der benötigten Rohstoffe für Solarmodule relativ knapp und ebenso endlich wie die fossilen Energieträger sind.
Hier wird ganz herkömmlich nach maximaler Rendite entschieden. Genau deshalb ist ja die Produktion der Erneuerbaren hinsichtlich einiger Rohstoffe – wie bei fast allen elektronischen Geräten – auch eher blutrot als grün.
Konsequente Nachhaltigkeit (mit gleichen Chancen auf gleichen Ressourcenanteil/ökologischen Fußabdruck weltweit) würde die vollständige Einstellung der Produktion derart vieler Produkte erfordern, dass da bestimmt kein Wirtschaftswachstum bei rauskommt.
Und es würden derart viele Arbeiter_innen freigesetzt oder im besseren Falle die Arbeitszeit kollektiv reduziert, dass der Bedarf an Dienstaleistungen ebenfalls eher zurückgeht. Dann ist nämlich wieder Zeit da, um Dinge selbst zu reparieren, zu bauen, etc.
Im Einzelfall können sogar recht konsequent nachhaltig produzierte Produkte ein kurzfristiges Wirtschaftswachstum erzeugen. z.b. Bio-Lebensmittel. Natürlich werden nun nicht mehr Lebensmittel als vorher verkauft, weil der Nahrungsaufnahme bekanntlich körperlich Grenzen gesetzt sind. Aber die Verkaufspreise liegen in der Regel höher als bei den Konventionellen und das pusht das BIP solange der Bio-Anteil am Markt zunimmt.
Umweltschutz spielt übrigens auch bei Bio-Lebensmittelkäufen nur für eine Minderheit eine kaufentscheidende Rolle: es geht vor allem um Gesundheit/Giftfreiheit, Qualität und Distinktion.
Darüber, ob erneuerbare Energien günstiger sind oder ob sich die Menschheit wirklich Gedanken über den Umweltschuzt macht, kann man lange streiten. Die Bevölkerungszahl wächst ununterbrochen weiter und wenn wir weiter die natürlichen Ressourcen so ausnutzen, bleibt den nächsten generationen nichts übrig.
@Helena: Ich möchte eigentlich nicht streiten. Ich möchte nur, dass wir nicht Dinge “grün-selig” sprechen, die es leider einfach nicht sind. Erneuerbare Energien sind derzeit die einzige Chance eine nachhaltige Zukunft auf höherem technologischen Niveau zu erreichen und da bin ich voll dafür. Nur sollten wir einfordern, dass die auch ökologisch und fair produziert werden und nicht rein profitorientierte Investoren, denen sowas egal ist, zu Angehörigen des Nachhaltigkeitsunternehmertums erklären.
Und warum sollten wir uns Wirtschaftswachstum irgendwie schönrechnen, wie es dieser Artikel ja indirekt tut.