Sie war die erste und einzige Frau, die den Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat: Elinor Ostrom war die Vordenkerin der Allmende-Bewegung. Von Urban Gardening über Occupy bis zur Piratenpartei berufen sich gesellschaftliche Bewegungen auf ihre Forschung. Letzte Woche ist die amerikanische Wissenschaftlerin im Alter von 78 Jahren gestorben. Ihr Lebenswerk war wegweisend für unsere heutigen Überlegungen zu Klimaschutz und globaler Kooperation: „Allmenden“ oder „Commons“ sind nicht anderes als öffentliche, aber begrenzte Gemeingüter, die von viele Menschen gemeinsam genutzt werden. Sie stehen seit jeher im Fokus der Wirtschaftwissenschaften. Denn immer besteht die Gefahr, dass der Einzelne zu viel von den knappen Ressourcen nutzt, ohne dass man ihn von der Nutzung wirklich ausschließen könnte. So können zum Beispiel einzelne Bauern zu viele Kühe halten und so die Alm abgrasen. Oder Fischer fangen zu viele Fische und überfischen die Meere, so dass sich die Bestände nicht erholen können.
Anders gesagt: Die Handlungen eines Einzelnen sind auch dann noch rational, wenn er aus Sicht der Gemeinschaft irrational handelt. Zumindest dann, wenn es kein klares Regelwerk gibt. Das gilt nicht nur auf Kuhweiden in den Bergen oder bei der Fischerei. Auch bei der Suche nach wirksamen Mechanismen gegen den Klimawandel ist das Phänomen zu beobachten.
Ostrom ist in umfangreicher Feldforschung der Frage nachgegangen, welcher Regeln es bedarf, damit es nicht zur Übernutzung von Ressourcen und somit auch zur Selbstschädigung aller kommt. In einem ZEIT-Interview aus dem Jahr 2010 fasst sie ihre Erkenntnisse zusammen: „Was allen gelungenen Nutzungskonzepten gemein ist, sind einige Grundprinzipien: Die Regeln für die Bewirtschaftung der Gemeinschaftsgüter müssen von allen Beteiligten gemeinsam bestimmt werden, sie müssen klar sein, sie müssen überwacht werden und Verstöße müssen schnell geahndet werden. Dabei können die Strafen durchaus mild sein.“
Ein praktisches Beispiel ihrer Feldforschung: In der Türkei haben Fischer in einem Ort eine Art Kooperative gegründet, in der jeder einen bestimmten Meeresabschnitt zugeteilt bekommt. Weil die Bereiche unterschiedlich attraktiv sind, rotieren die jeweiligen Seegebiete zwischen den Betroffenen. So bekommt jeder eine faire Chance – und gleichzeitig werden alle Fischer von ihren Konkurrenten überwacht.
Ostrom war davon überzeugt, dass die Menschen vor Ort oft die besten Lösungen für ihre Probleme finden. Damit hat die Politikwissenschaftlerin nachgewiesen, dass weder der Staat noch der Markt – wie es viele ihrer Kollegen behaupten – in der Regel zu den besten Ergebnissen führt.
Und was bedeutet das jetzt für den Klimaschutz, für den auf der Weltkonferenz in Rio neue Weichen gestellt werden sollen? Ihre Lehren hat Elinor Ostrom kurz vor ihrem Tod noch in einem Appell aufgeschrieben, in dem sie von einem großen internationalen Vertrag abrät. Städte, Kreise, Bundesländer und Bundesstaaten – sie alle hätten heute schon ihre eigenen Initiativen und würden von einander lernen, was funktioniert. Elinor Ostrom glaubte, das sei der beste Ansatz. Wer ihre Ideen nachlesen will, dem sei ihr Buch “Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter” empfohlen – eine kurze und verständliche Einführung in Ostroms Lebensthema.














[...] Letzte Woche ist die amerikanische Wissenschaftlerin im Alter von 78 Jahren gestorben. Mehr bei KarmaKonsum. Und hier der Link zum Buch Was mehr wird, wenn wir [...]