
Wir beginnen langsam mit den Vorbereitungen für die nächste KarmaKonsum Konferenz in der IHK Frankfurt. Das voraussichtliche Datum wird der 23. bis 25. Mai 2013 sein. Der erste Arbeitstitel des Konferenzmottos lautet:
“Social Intrapreneur meets Social Entrepreneur”.
Ein Social Intrapreneuer ist ist jemand, der in einem (Groß-)Unternehmen oder in einer Organisation arbeitet und praktische und innovative Lösungen für gesellschaftliche und/oder ökologische Herausforderungen entwickelt und verbreitet. Die Initiativen der Social Intrapreneuere sind durch ein persönliches Interesse und Verantwortungsgefühl motiviert.
Mit diesem menschlichen und mitarbeiterzentrierten Ansatz möchten wir die Veranstaltung gegenüber der “konventionellen Wirtschaft” öffnen und erhoffen uns darüber einen stärkeren Impact in den Mainstream. Hintergrund dieser Überlegungen ist, dass ich mir in der letzten Zeit häufiger Gedanken über die Wirkung meiner Arbeit und damit auch über die Wirkung der KarmaKonsum Konferenz mache. Gerade gestern habe ich mich dazu mit einem meiner Influencer Daniel Kruse dazu ausgetauscht, der ähnliche Gedanken mit seinem neuen Projekt openstate.cc in sich trägt.
Die Veranstaltung ist sicher ein etabliertes Format einer jungen authentischen und positiven Community von Sozialunternehmern (Social Entrepreneurs) und wird unterstützt von etablierten Nachhaltigkeitspionieren. Mein Eindruck ist jedoch, dass dort auf der “Grassroute-Ebene” zwar tolle und wichtige Kooperationen geschlossen werden, wir aber uns letztendlich im Wesentlichen auf unserem Weg gegenseitg bestätigen und bestärken. Das ist eine sehr wichtige Funktion der Veranstaltung für die Community die ich auch so beibehalten möchte.
Was ich mir wünsche, ist eine stärke Inspiration der Großkonzerne durch uns. Und das wir ernster genommen werden, was man z.B. in dem Artikel der FAZ zur #KK12 nicht gerade behaupten kann. Auf der einen Seite sehe ich, dass wir häufig in unserer Wirkung limitiert sind und zum anderen sehe ich die vielen “guten Zellen” in der konventionellen Wirtschaft, die Inspiration für Nachhaltigkeitsinnovationen dringend benötigen. Warum bringen wir das nicht zusammen?
Natürlich bin ich mir auch darüber bewusst, dass dieser Schritt wohlbedachtgetan werden sollte. Einerseits weil es natürlich in unserer Community auch einige grundsätzliche Kritiker von Großunternehmen gibt. Anderseits weiß ich auch darum, dass gerade auch Mitarbeiter von Großkonzernen den Kontakt mit solchen “Hardcores” wie uns scheuen.
Da ich fest an die positive Grundhaltung der KarmaKonsum Community glaube, sollten wir die Tür aufmachen und die guten Menschen und Initiativen einladen, sich mit uns auf Augenhöhe auszutauschen. Mögen sich neue große Koperationen ergeben, die durch die Reichweite und den Hebel der Großen einen Beitrag zur großen nachhaltigen Entwicklung leisten werden. Damit das funktioniert, wird die Veranstaltung viel interaktiver gestaltet und die Verbindung von GreenCamp als Innovationsplattform zum Kongress wird verstärkt.
Ich möchte Dich einladen, mir Deine Gedanken zu dem Geschriebenen hier per Kommentar mitzuteilen. Folgende Fragen habe ich an Dich:
- Was denkst Du grundsätzlich zu diesem neuen Ansatz?
- Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit das funktioniert?
- Welche Intrapreneure aus welchen Firmen sollten wir einladen?
- Was darf auf keinen Fall passieren?













Lieber Christoph,
das sind unglaublich wichtige Überlegungen, die ich da sehe.
Was ich daran so wichtig finde: die grundlegende Infragestellung der Wirksamkeitspotenziale der eigenen Strategie.
Manches spricht dafür, dass das Potenzial der Strategie ‘Verantwortlichkeit verbreiten durch Inspiration und gute Vorbilder’ auf Jahrzehnte hinaus unter 20% des ‘Ganzen’ liegen könnte. Wir wissen, dass das unentbehrlich wichtig, aber zugleich zu wenig ist. So bitter es ist.
Die restlichen 80% fangen eben zum Beispiel bei den Großkonzernen an. Wichtigstes Merkmal: sie sind transnational, global, betreiben ‘worldsourcing’. Von ihren Stakeholdern auf Redite verpflichtet, von ihren Konkurrenten in einen sehr engen Verhaltenskorridor gezwungen, denn nirgends verliert man schneller die Wettbewerbsfähigkiet als auf dieser hohen Ebene.
Die These, auf die ich hinaus will, ist: der ‘social intrapreneur’ globaler Mainstream-Konzerne ist darauf angewiesen, dass ihm eine globale WeltbürgerInnenschaft ein ebenes Spielfeld (vergleichbare Bedingungen in allen Ländern) mit nachhaltigen Regelwerken bieten kann.
Gerne würde ich im Mai 2013 einen Beitrag darüber gestalten, wie hier der Zusammenhang zwischen dem Einzelnen und dem Globalen sowie zwischen der Avantgarde und dem Mainstream gedacht werden kann.
Die Initiative, die ich in diesem Zusammenhang insbesondere beschreiben (und ausloben) wollen würde, ist die Simpol-Initiative (siehe Weblink). Sie ergänzt die Strategie ‘Karma-Konsum’ sozusagen durch (global ausgerichtetes) ‘Karma-Voting’ und ist nach meiner derzeitigen Einschätzung ziemlik jenau der Missing Link zwischen lokaler Avantgarde und globalem Mainstream, nach dem wir alle 30 Jahre gesucht haben.
Ich würde mich freuen, mit Dir in einen Austausch darüber zu treten.
Liebe Grüße,
Dirk
Ich persönlich finde den Ansatz sehr gut. Wenn die richtigen Personen eine Plattform zum Austausch bekommen, kann etwas Großes daraus werden – für alle!
Mutig ist das, lieber Christoph. Und ich stehe voll uns ganz hinter dir. Obwohl du dich mit dieser Herangehensweise angreifbar machst und auch viele, viele Stolpersteine auf diesem Weg der Öffnugn liegen werden, denke ich, dass es richtig ist, so zu handeln. Vorraussetzung muss aus meiner Sicht sein, dass du und dein Team Euch klare Kriterien ausarbeitet, mit welcher Art von großen Firmen ihr wie zusammenarbeiten wollt. Wie kann man echtes Engagement der Intrapreneure im Unternehmen und deren Einfluß auf Unternehmensentscheidungen transparent machen und bewerten? Wie verhindert man, dass die Karma Konsum Plattform / Konferenz von Greenwashern, die es sind und bleiben, für PR mißbraucht wird. Wer ist überhaupt Greenwasher und wem gesteht man echtes Engagement zu, auch wenn es vielleicht in kleinen Schritten vor sich geht? Eine riesige Herausforderung!! Und eine sehr große Chance.
Lieber Christoph,
ich finde die Idee sehr gut. Ich habe zwar die Atmosphäre und das sich “mal-nicht-erklären-müssen” auf der KK12 sehr genossen, aber wir könnten vielleicht tatsächlich mehr bewegen, wenn wir uns öffnen.
Zumal es auch “auf der anderen Seite” Menschen gibt, die an einer Veränderung interessiert sind – auch wenn die Motivationen und die Ziele sicherlich im Detail abweichen.
Aber da ich in meiner Beratungspraxis im Feld der Geldanlage und der Versicherung auch ständig mit Großkonzernen zu tun habe, würde es es sehr begrüssen in diese Richtung einen Versuch zu starten.
Wenn Du Kontakte im Bereich Versicherung und Geldanlage für die KK13 brauchst, sag bescheid.
Viel Erfolg und Spaß bei der weiteren Vorbereitung. Ich freu mich schon!
Lieber Christoph,
da ich in einem Großkonzern (Lufthansa) arbeite, bin ich an diesem Thema sehr, sehr interessiert. In meinen Versuchen als Intrapreneur bin ich im Moment eher gescheitert, aber vielleicht steckt gerade im Scheitern der Neuanfang. Im Moment überlege ich gezielt, wie ich mit eTeaming oder auch durch Teilnahme an Veranstaltungen der Personalabteilung oder auch durch Gründung eines “Clubs” für achtsame Kommunikation auf der Arbeit etwas erreichen kann.
Es gibt ja in allen Konzernen die CSR Abteilungen, und zu denen würde ich auf jeden Fall Kontakt aufnehmen. Ob man generelle Voraussetzungen formulieren kann, weis ich nicht, mein persönliches Gefühl ist, das im Moment die Themen wie Diversity etc. viel Drive bekommen und die Chancen nicht schlecht stehen.
Wenn ich konkrete Erfolge erziele, dann sage ich Bescheid.
Ingrid
Prima! – Unbedingt machen!
Ganz wichtig, dass die Industrie mit Grassroots in Kontakt kommt und andersrum.
Die Industrie und Großkonzerne bewegen sich noch immer extrem langsam und von dem Kurswechsel, den unzählige Trendstudien schon seit längerem als Megatrend prognostizieren, steht dort fast noch immer nur die Fassade.
In vielen Köpfen höherer Entscheidungsebenen ist die Notwendigkeit des Kurswechsels noch nicht angekommen. Ethisches Bewußtsein scheint noch wesentlich länger zu brauchen um sich auch in hohen Entscheidungpositionen innerhalb oder gegen die bestehenden Strukturen überhaupt etablieren zu können. Hier braucht es sicher freundliche gesinnte Öffnung, Inspiration, immer wieder guten Dünger, und ganz konkrete Unterstützung.
Den Titel dazu würde ich nochmal überdenken – ich glaube das kann spannender und griffiger formuliert werden und für alle Seiten spannender klingen.
VIEL SPASS BEIM VORBEREITEN!
Viele Grüße aus Berlin!
Hallo Christoph,
ich kann mich nur anschließen – ich finde die Idee ebenfalls sehr gut. Ich habe bisher drei Karma Konsum Konferenzen mitgemacht und finde es ist Zeit den kuscheligen Kreis (der total toll ist) zu öffnen. Dann kann auch noch viel mehr passieren!
Viele Grüße aus Hamburg!
Lieber Christoph,
es gefällt mir sehr gut, wie du deine Arbeit und dein Wirken reflektierst. Ich habe bisher die Konferenzen 2010 und 2012 miterlebt, über die letzte konnte ich sogar einen Artikel veröffentlichen, in dem ich mich vielleicht etwas ernsthafter miit der Konferenz auseinander gesetzt habe, als im FAZ-Beitrag. Das müssen aber die Leser entscheiden…
Der gesellschaftliche Wandel ist unausweichlich, weil wir auf vielen Ebenen nicht mehr so weitermachen können wie bisher. Irgendwann haben wir sonst wichtige Lebensgrundlagen verloren. Das Wie des Wandels liegt weitgehend in unseren Händen. Bei unserem Interview für den Beitrag “Kleine Schritte mit großer Wirkung” haben wir ja auch über das Feindbild Großkonzerne gesprochen. Und ich denke auch, dass es an der Zeit ist, Brücken zu bauen – wo es möglich und vor allem sinnvoll ist. Du hattest ja angemerkt, dass Nachhaltigkeitsaktionen von Großunternehmen oft nicht anerkannt werden. Das sei wiederrum eine schlechte Signalwirkung: Der Chef kann dann sagen “Seht ihr Leute, ihr mit eurem Öko-Kram. Hat alles nichts gebracht” – und der nächste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Gemeinwohl findet nicht statt. Auch ich habe manchmal das Gefühl, dass die Lohas (oder wie man uns bezeichnen möchte) ihre Möglichkeiten zum Wandel beizutragen noch lange nicht ausschöpfen. Es gilt die Ideen auch außerhalb der Wohlfühl-Community zu verbreiten und gleichzeitig nicht dogmatisch zu sein oder die Welt missionieren zu wollen.
Lange Rede kurzer Sinn: Dein Ansatz gefällt mir, der vorläufige Titel ist mir aber zu schwammig. Welches Ziel soll erreicht werden? Die Konferenz 2012 hatte ja den schönen Schwerpunkt Gemeinwohl. Einen so deutlichen Schwerpunkt wünsche ich mir bei der nächsten Konferenz. Ja, Großunternehmen bewegen sich meist langsamer. Aber es muss niemand dort präsentieren, wie er 10 % Papier einsparen konnte. Für mich gilt es neue Wege zu finden. Also nicht weniger schädlich sondern endlich nützlich für die Gesellschaft und Natur sein.
Hi Christoph,
finde die Idee spitze!!! War jetzt 2012 das erste Mal dabei, aber habe auch das Gefühl “that we preach to the converted”. Wäre super, Zögerer und Skeptiker vor Ort zu bekommen und zu schauen, was geht.
Vielleicht ist da der Arbeitstitel Intra- und Entrepreneur noch zu soft. Immerhin sind beide schon an Social dran…vielleicht wäre ein (etwas provokanter, augenzwinkernder) Titel wie “Karma meets Tough Biz” klarer? Firmen wie Accenture könnte dann eingeladen werden, mal ihre News zu dem Thema zu präsentieren – was wiederum andere klassische (Groß-)Unternehmen anlocken könnte…nur mal so dahingedacht.
Auf gar keinen Fall dürfen die Vertreter der Großkonzerne ausgebuht oder für doof hingestellt werden, wenn sie z.B. behaupten, etwas versucht zu haben, aber es funktionierte nicht. Die Atmosphäre des gegenseitigen Respekts muss unbedingt gewahrt werden!
Spannende Herausforderung! Und cool, dass Du unser aller Köpfe mit einbeziehst, die beste Lösung zu finden!
Hallo Christoph –
klasse, ja, mutig, und ein wichtiger Schritt: die Zeit ist langsam reif für die sanfte Führung Goliath´s von … sagen wir mal: “nebenan”, um das alte “unten” mal liegen zu lassen.
Was brauchen Konzerne, Mächte und Macher, um um- und einlenken zu können?
Was kann den mutigen Soccial Intrapreneurs mehr Stimme und Wirkung geben?
Ich glaube fest an die Wirkung des hautnahen Erlebens, dass Bäume versetzen kann. In diesem Fall: Glaubenssätze, Routinen und erstarrte Strukturen. Ohne Zeigefinger, sondern durch neue Türen, durch die Mächtige aufrecht (weiter) gehen können.
Es wird vielleicht weh tun, wenn plötzlich grün getönt wird, wo bisher eher andere Farbigkeiten angesagt waren, und zwar wennschondennschon: grüner als je grün getönt wurde!! Das müssen wir aushalten.
Lasst die letzten die “Ersten” sein: es ist der nächste Wachstumsschritt, der für die Grassroots wieder neue Aufgaben bereit hält.
Wenn Du ein Erlebnis-Format in die Veranstaltung einbauen willst, dass wie zitiert “hautnah” grüne Inhalte & Werte vermittelt, dann gib ein Zeichen und wir tauschen uns über “nature response” aus.
Das einfachste vom Einfachen will wieder entdeckt werden.
Grüsse von einer Bremerin in Linz OÖ
Lieber Christoph,
auch ich unterstütze Deinen Ansatz. Ich denke, er sogar unvermeidlich. Ein Wandel des Bewusstseins und der Politik lässt sich m.E. nur erreichen, wenn ein Dialog auch mit den großen Konzernen geführt wird. Dieser Dialog sollte offen sein, d.h. die Konzerne oder ihre Repräsentanten sollten nicht von vornherein als Greenwasher oder Umwelt-Teufel gebranntmarkt werden.