
Anlässlich der Veröffentlichung ihrer zweiten Gemeinwohlbilanz zeigt das Pionierunternehmen Sonnentor mit den wie ich finde sehr guten 11 Thesen für ein alternatives Wirtschaftssystem die Richtung der gesellschaftlichen Transformation.
Gemeinwohl-Ökonomie - 11 Thesen für ein alternatives Wirtschaftssystem
1) In der Krise ist alles schwer. Außer der radikale Neuanfang!
Trotz der schwerwiegenden Erschütterungen, die die Finanzkrise und das Streben nach grenzenlosem und immer schnellerem Profit ausgelöst haben, fällt vielen Unternehmen das Umdenken schwer. Doch gerade Krisen bieten die Möglichkeit, althergebrachte Sichtweisen zu hinterfragen, Alternativen zu denken und umzusetzen…
2) Die Wirtschaft baut auf Egoismus – die Menschen auf ein werteorientiertes Miteinander!
Die am Eigennutz orientierten Werte der Wirtschaftswelt stehen im diametralen Gegensatz zu dem, was der Mehrheit der Menschen im Alltag wichtig ist: Vertrauen und gegenseitige Unterstützung, Lebensqualität und Gemeinwohl. Die Wirtschaft existiert in einem Paralleluniversum mit eigenen Regeln und Wertvorstellungen…
3) Die Wirtschaft ist ein Teil der Gesellschaft. Und nicht umgekehrt!
Den Prämissen der Wirtschaft müssen sich Menschen in zunehmend mehr Lebensbereichen unterordnen. Dabei ist die Wirtschaft nur ein Teil unserer Gesellschaft. Ihre Werte dürfen deshalb nicht zum Maßstab unseres gesamten Lebens werden, sondern müssen sich im Gegenteil in unser Leben integrieren lassen…
4) Kurzfristiges Profitdenken ermöglicht Kurssprünge. Aber keine Nachhaltigkeit!
Unternehmen, die sich zu jedem Quartalsende mit steileren Wachstumskurven brüsten, sind scheinheilig, wenn sie für sich Nachhaltigkeit proklamieren. Denn Profit um jeden Preis schließt aus, dass ein Unternehmen bei Herstellung und Verkauf seiner Produkte mehr im Sinn hat als den eigenen Gewinn…
5) Erfolg durch faires Handeln und Nachhaltigkeit ist kein Widerspruch, sondern die Lösung!
Die Konzepte von fairem Handel und Nachhaltigkeit sind unternehmerische Erfolgsfaktoren, die das Wachstum stärken. Aber nur dann, wenn die Werte des Unternehmens und damit seine Art zu Wirtschaften an den ökologischen und sozialen Belangen der Gesellschaft ausgerichtet sind…
6) Unternehmen sind nicht den Shareholdern verpflichtet, sondern dem Gemeinwohl!
Das Management großer Konzerne hat meist nur eines im Sinn: eine Rendite, die den Aktionären gefällt. Dass ein Unternehmen weit mehr Menschen zufrieden zu stellen hat, fällt dabei völlig außer Acht. Doch ohne die Leistungen ihrer Mitarbeiter und Partner, ohne die Bereitschaft der Kunden und ohne die Investitionen der öffentlichen Hand ist ein Unternehmen gar nichts wert…
7) Nicht der Gewinn an Umsatz, sondern an Lebensqualität muss belohnt werden!
Bislang gelten vor allem die Unternehmen als kreditwürdig, die in ihrer Bilanz nachweislich in möglichst kurzer Zeit, mit möglichst geringem Risiko, möglichst viel Gewinn vorweisen. Es ist eine Belohung zu Lasten der Gesellschaft, da alle Kriterien verantwortlichen Wirtschaftens außer Acht gelassen werden. Welche Rolle spielen Naturkapital, Humankapital oder Sozialkapital? Wir brauchen ein Basel III, das mit anderen Bilanzierungskriterien die Orientierung am Gemeinwohl honoriert und nicht das Gegenteil. Wir brauchen die Gemeinwohl-Bilanz für alle Unternehmen…
Gutes Wirtschaften braucht nicht weltweite Konkurrenz, sondern grenzenlose Kooperation!
Der bisherige Antrieb der Wirtschaft ist der maximale Gewinn. Doch dieser geht immer zu Kosten anderer – anderer Unternehmen, Länder, der Menschen, der Natur und der Gesellschaft. Unternehmen, die über ihre eigenen Grenzen hinaus denken und handeln, setzen deshalb intern wie extern nicht auf Sieg und egoistische Alleingänge, sondern auf Kooperation im Sinne des offenen und fairen Austauschs von Informationen und Gütern…
9) Die Unternehmen müssen mehr Qualität statt Quantität produzieren!
Im Kampf mit dem Wettbewerb vertrauen Unternehmen bislang darauf, durch Kostensenkung und hohe Stückzahlen ihre Produkte so billig wie möglich herstellen zu können. Die Annahme: Verbraucher sind nicht bereit für echte Qualität zu zahlen. Dabei sind sie es längst, wenn Produkte wirklich sozial wie ökologisch nachhaltig hergestellt werden…
10) Bio und Nachhaltigkeit sind kein Etikett, sondern eine Einstellung!
Viele Unternehmen betreiben Greenwashing: Sie stellen in der Öffentlichkeit einzelne umweltfreundliche Aktionen heraus, in Wahrheit aber handeln sie nach wie vor zu Lasten von Mensch und Natur. Wie aktuelle Medienberichte zeigen, ist es auch mit manchen Bio-Produkten so, dass jedes gesetzliche Schlupfloch ausgenutzt wird. Außen grün verbirgt sich darunter noch das alte egoistische, profitmaximierende Denken und Handeln. Eine Mogelpackung?…
11) Die jetzigen Akteure in der Wirtschaft können es nicht anders!
Von den derzeit agierenden Wirtschaftsakteuren ist kaum zu verlangen, dass sie die Krise, die sie selbst verursacht haben, meistern. An Universitäten und Management-Schulen wurden sie auf Shareholder-Value und Gewinnmaximierung eingeschworen. Mensch und Umwelt, Ethik und Gemeinwohl gehören bis heute selten zum Lehrplan. Was, wenn sich unsere Management-Elite jenseits des Alltagsstresses mehr Raum und Zeit für Offenheit und Selbstreflexion nimmt?…
In diesem Kontext auch noch mal der Hinweis auf das Video von der KarmaKonsum Konferenz 2012, wo der Begründer der Gemeinwohl Ökonomie Christian Felder einen inspirierenden Vortrag gehalten hat.













Der Staat ist das Problem und nicht die Lösung. Wenn der Bürger Bio essen möchte oder Biostrom oder Biosprit bitte – dann soll er aber auch dafür zu zahlen.
Der Staat hat sich aus derlei Dingen rauszuhalten. Das Problem ist, dass die meisten keine Ahnung von Wirtschaft haben, sonst würden sie sofort erkennen, wer sie ausraubt. Kleiner Tipp: Es sind ganz bestimmt nicht die gierigen Unternehmen und bösen Spekulanten.
Hallo Bugs,
uns geht es in erster Linie darum, einen Denkanstoß zu geben – mehr Gemeinwohl und weniger Gewinnstreben sind uns ein großes Anliegen. Jeder muss bei sich selbst anfangen: nur wenn jeder Einzelne von uns sich und sein Konsumverhalten ändert und eine Änderung vom Staat einfordert sowie der Leidensdruck groß genug ist, wird sich im System etwas ändern.Der Staat greift ja jetzt auch schon ein – es ist immer nur die Frage, was dabei unterstützt wird…
Viele sonnige Grüße
Das SONNENTOR Team
[...] Aber wir stehen erst am Anfang dieses Veränderungsprozesses und es gibt noch viel zu tun, um unser kapitalistisches Wirtschaftssystem so zu transformieren, dass es der Umwelt, den Menschen und der Gesellschaft gleichermaßen dient. Bei meinen Recherchen bin ich auf die Seite der Initiative Gemeinwohl-Ökonomie gestoßen, die Pionierunternehmen in diesem Prozess berät und unterstützt. Eines davon ist Sonnentor, das seine zweite Gemeinwohlbilanz veröffentlich hat und darin elf Thesen für ein alternatives Wirtschaftssystem aufstellt, die es lohnt zu lesen. Hier geht es zu den elf Thesen für ein alternatives Wirtschaftssystem. [...]