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Unity in diversity – LOHAS vs. Ökos

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Mich kotzt es an ahm, ich meine natürlich es argert mich, zu sehen, wie die Diskussion um LOHAS gerade geführt wird und vieles schlecht geredet wird, wo doch alles noch am Anfang ist.

Auf der einen Seite haben wir deprimierte Blogger, die mit sich und der Situation in der Welt unzufrieden sind und ihre eigene Unzufriedenheit auf etwas Neues – aus LOHAS – projezieren. Aber dank einer öffentlichen Diskussion mit sehr vielen sehr guten Kommentaren (hier zeigt sich unsere Not in der Selbsfindung) aus der Web 2.0-Community kommen wir jedoch weiter in dem Prozess. Und das führt selbst den sehr ernsthaften Reto zu ganz neuen Einsichten und Tönen (Zitat: „Der lust- und freudebetonte Weg der Neugrünen (aka LOHAS) ist definitiv zu bevorzugen.“). Reto hat sich die Mühe gemacht, eine Zusammenfassung der Diskussion im Beitrag „Den Nachhaltigkeitgraben überwinden“ zu verfassen. Danke dafür und danke für Deine Initiative.

Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich von Natur aus harmoniebedürftig bin und auf der Suche der Einheit in der Unterschiedlichkeit von Öko-Pionieren und LOHAS bin. Was nichts mit Schönreden zu tun hat: Zitat Reto „Gehatschelt wird in der LOHASphare genug …“ .. Dennoch die bewusste Provokation ist zielführend, weil sie mich zwingt, nachzudenken und zu reflektieren,. Dazu nehme auch ich mir zu wenig Zeit.

Auf der anderen Seite schlagen außerhalb des Web 2.0s diverse Player auf das Thema ein. Konkret meine ich damit die „Studie“ von Stratum (Aussage: Ganz nebenbei haben wir vielleicht einen Beitrag zur Abschwachung des LOHAS-Mythos geleistet.„, die auch von der TAZ promotet wird.

Ich habe sehr große Sympathie für die TAZ und insbesondere für den Menschen Peter Unfried, aber mir ist nicht ganz klar, was Euer Ziel damit ist, T-Shirt mit LOHASS zu verkaufen oder eine unreprasentative kontraproduktive Studie zu promoten. Darauf aufbauend Aussagen zu formulieren wie diese „Die Hoffnungen, die die Wirtschaft und die Umweltbewegung in den neuen Typus des Ökokonsumenten setzen, sind gewaltig – und gewaltig überzogen.“ ist aus meiner Sicht fahrlassig!

Für mich behindern solche unreflektierten Aussagen die Entwicklungen in der Wirtschaft, die DRINGEND notwendig sind! Aufgrund von einer Studie, deren Aufbau und Ergebnisse intransparent sind und nur auf Aussagen von 250 Personen basieren, gießt die TAZ damit Öl in das Feuer aller derjenigen, die sich gegen Nachhaltigkeit aussprechen – und das sind die meisten Entscheider in der Wirtschaft- gerade in Zeiten der Finanzkrise!

Und damit behindert die TAZ ganz klar die engagierten Menschen (die wahrscheinlich sogar LOHAS und TAZ Leser sind), die aufgrund der öffentlichen Wahrnehmung von LOHAS in der Wirtschaft erstmalig die Chance haben, ihren persönlichen Idealen nach mehr Nachhaltigkeit in den Vorstandsetagen Gehör zu verschafen. Das ist extrem kontraproduktiv!

Bei LOHAS geht es nicht nur um Konsum, sondern um einen Lebenswandel, den Du Peter ja in Deinem Buch sehr treffend beschrieben hast. Lebenswandel hat auch etwas mit Beruf und Berufung zu tun. Durch LOHAS erhalt unser aller Herzensthema Nachhaltigkeit erstmals eine hohe Relevanz in der Wirtschaft – mit all seinen Schattenseiten wie Greenwashing. Dennoch, der Prozess als solches ist positiv und förderungswürdig

Wo ist Euer Problem? Warum darf nicht auch etwas mal Spass machen und nicht perfekt sein? Oder seid ihr doch alle noch so verbitterte Ökos, die ihre hohen Ideale verbittert in die Welt tragen?

Ganz klar: Was fehlt ist Leichtigkeit in der Diskussion und die – nicht zu verwechseln mit der Ironie der Spassgesellschaft der 90er Jahre. Ich möchte diesen Beitrag schließen mit Sjörns aka Konsumguerilla Worten, der die aktuelle Diskussion auch zum Anlass genommen, seine Sicht der Dinge zu reflektieren.

„Ohne das Kritisieren der jeweils anderen Mentalitat, unterstützen wir gegenseitig unsere Ziele, weil sie sich im Endeffekt gleichen. Wir bedienen uns nur anderer Methoden. Die Eine mag logischer sein, dafür ist die Andere massentauglicher. Hören wir auf uns gegenseitig mit kleinkarierter Sezierung des jeweiligen Lebensstils zu demotivieren, profitieren wir sogar von einem Synergie-Effekt.“

5 responses to “Unity in diversity – LOHAS vs. Ökos”

  1. Markus

    Sehr schöner Artikel. Kann ich zu 100% unterschreiben.

  2. Neo-Hippie

    Hallo liebe Blogger-Gemeinde!
    Ich möchte nun auch einmal die Möglickeit nutzen, meinen Senf zum Thema „LOHAS“ abzugeben.
    Bezug möchte ich dabei auf die Diskussion nehmen, die durch den Herausgeber der Tageszeitung „TAZ“ angeregt wurde.
    Im voraus sollte ich vielleicht noch erwahnen – obwohl ich denke mein Standpunkt zu diesem Thema wird im Laufe dieses Kommentars deutlich werden – dass ich beiden „Standpunkten“ kritisch gegenüber stehe.
    Vielleicht mag es auch daran liegen, dass meine Sichtweise doch eher durch die Volkswirtschaftslehre gepragt ist.

    Ich finde es momentan doch sehr positiv, dass sich eine Konsumentengruppe formiert hat, die darauf Wert legt,
    nachhaltige Produkte zu konsumieren. Dementsprechend bilden sich nun immer mehr solcher sog. „Grünen Markte“.
    Diese Veranderung der Nachfragestruktur bewirkt natürlich wiederum, dass sich für Unternehmen ganz andere
    Anforderungsprofile hinsichtlich ihrer Produkte ergeben. Das ist sicherlich als positiv zu bewerten. Allerdings
    sollte man dabei immer berücksichtigen, dass unter diesen Unternehmen, die nun neu in diese „Grünen Markte“ eintreten,
    Akteure zu finden sind, die mit Sicherheit in dem „LOHAS“ ein großes Geschaft wittern. Ganz getreu dem Motto „neue Markte, neuer Umsatz“.
    Außer acht bleibt dabei, dass diese Akteure zu vor Produkte verkauft haben, die den Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung
    mit Sicherheit nicht Rechnung tragen. Dies ist unter den Schlagworten „Green- & Bluewashing“ schon bereits mehrfach thematisiert worden. Das Problem – und ich denke darin liegt eine der Hauptaufgaben im Bereich des Öko/LOHAS-Marketing – ist einfach, es gibt dafür keine ausreichende Information am Markt, sprich ein Gütesiegel, welches mir die Information vermittelt, dass das Produkt auf eine nachhaltige Weise produziert wurde. Somit können mir Unternehmen eine ganze Menge erzahlen, ich werd’s einfach erstmal nicht glauben & bin somit darauf angewiesen, mir eigene Informationen zu beschaffen; keine einfache Aufgabe.
    Ein weiteres Problem, welches sich für mich darstellt (was vielleicht auch in die Richtung der „Argumentation“ von Herrn Unfried geh), ist das hedonistische Konsummotiv, welches sich zu Teilen auch hinter dem Begriff „LOHAS“ verbirgt. Wir leben nunmal in einer knappen, bzw. begrenzten Welt
    & ich finde es durchaus nicht mehr angebracht, unüberdacht aus solchen Motiven zu konsumieren, selbst wenn dieses Produkt ein Bio-Produkt ist (hier möchte ich nur auf das Thema Fleischkonsum verweisen, denn auch die „Produktion“ von Bio-Fleisch erfordert eine Menge an Energie-Input).
    Vielleicht ware es in unserer Generation von „Neo-Hippies“ mal angebracht, den Staus von Konsum & Kapital generell zu hinterfragen.
    Ich formulier’s mal überspitzt: „Ich brauche kein Öko-Handy von Samsung, eigentlich brauche ich gar keins“. Und da sollte sich mal ein jeder selbst hinterfragen, was man eigentlich wirklich zum Leben braucht. Auch immer vor dem Hintergrund der Verteilungsgerechtigkeit; denn es gibt so viele Menschen – wahrscheinlich sogar die meisten – die eben nicht in dieser Hülle & Fülle konsumieren können wie wir es tun.
    Es ist aus meiner Sicht nicht der allheilbringende Weg, rein über den Konsum von Produkten eine neue Gesellschafts- & Wirtschaftsordnung zu schaffen.
    Dazu gehört in meinen Augen viel mehr. Sicherlich, mit dem Konsum, oder eben dem Nicht-Konsum habe ich die Möglichkeit Unternehmen zu belohnen, oder im Fall
    von nachhaltigkeitsfeindlichen Strategien, eben zu sanktionieren. Was bringt mir Konsum in einer Welt, deren Markte sich (überspitzt, oder vielleicht auch nicht) von 4 Großkonzeren dominiert werden. Außerhalb des Wirtschaftssystems gibt es noch andere Systeme, wie z.B. eben das politische.
    Ich finde auch darauf ist Augenmerk zu legen, denn die Politik schafft die Rahmenbedingungen für den globalen Handel & damit für das Wirtschaftssystem. Und irgendwie, vielleicht mag ich mich da auch irren, genau das ist es, was mir in der heutigen Konsumgesellschaft, egal welche Auspragung sie
    annimmt, einfach fehlt.
    Auch stellt sich mit Sicherheit die Frage, welcher Weg den nun der richtige ist, bzw. war. Die Ökos aus den 80er-Jahren waren
    doch sehr strikte Konsum – Kapitalismusverweigerer, wobei ich heute ein Wetbild sehe, dass doch schon fast ausschließlich darauf gereichtet ist. So ganz getreu nach dem Motto: „Mit dem Porsche zum Bioladen fahrn & da einkaufen“.
    Und genau da sehe ich den Punkt. Ich sehe die Gefahr, dass dieser Lebenstil & das damit verknüpfte Wertbild an meistbietenden verkauft wird. Sprich es findet ein Ausverkauf dessen statt, was uns doch so verdammt wichtig ist – Nachhaltigkeit & Gerechtigkeit.
    Ich möchte hier nochmals kurz auf das sog. „Transfair-Logo“ hinweisen. Gehört es zu einem fairen Handel, z.B. Kaffee mit so einem derartigen Gütesiegel bei Lidl zu verkaufen? Oder 2,99€ fairgehandelter Honig bei Penny?
    Abschließen möchte ich mit einem Zitat, welches mich, immer wenn ich lese auf’s neue bewegt & auch ein wenig meine Sorge zum Thema „LOHAS“ & „Ausverkauf“ zum Ausdruck bringen soll:
    “ Wahnsinn in jeder Himmelsrichtung, zu jeder Stunde. Wenn nicht auf der anderen Seite der Bay, dann oben am Golden Gate oder unten auf der
    101 nach Los Altos oder La Honda… kein Zweifel wir würden gewinnen…Und das glaube ich, war der Haken- dieses Gefühl, der Sieg über die Machte
    des Alten & Bösen sei unausweichlich. Ein Sieg, ganz & gar nicht auf niedertrachtige oder militante Weise: Das hatten wir nicht nötig. Es
    würden sich ganz einfach undere Energien durchsetzten. Es hatte keinen Zweck zu kampfen – weder auf unserer noch auf ihrer Seite. Hinter uns stand die Naturgewalt; wir ritten auf dem Kamm einer hohen & wunderschönen Welle…Und jetzt, keine fünf Jahre spater, kannst du auf einen
    steilen Hügel in Las Vegas klettern und nach Westen blicken, und mit dem richtigen Blick kannst du die Hochwassermarkierung fast sehen –
    die Stelle, wo sich die Welle schließlich brach & zurückrollte.“ (Hunter S Thompson, Angst & Schrecken in Las Vegas)

  3. Klaus-Peter

    @ Neo-Hippie: Habe Deinen Kommentar recht spannend gefunden, komme aber mit dem Schluss nicht zurecht.
    Hatte es für eine Diskussion besser gefunden, Du sagtest noch mal mit eigenen Worten, um welche „welle“ es geht.

    Den Porsche-Fahrer am Bio-Markt gibt es zwar- als Alt-Öko sehe ich so etwas nicht; das sind auch Einzelerscheinungen, die halt mehr auffallen, es es wert ist.

  4. Neo-Hippie

    @Klaus-Peter
    Mein Kommentar ist ein Ausschnitt dessen, was ich momentan über die grüne Bewegung denke; schwer in geschriebene Wort zu fassen, da wie ich finde, eine Diskussion unter vier Augen eine Meinung/einenStandpunkt besser zum Ausdruck bringen kann.
    Vielleicht war der mein Schluss auch deswegen nicht verstandlich & ich habe es auch nicht geschafft meine Gedanken auf einen Punkt zu bringen.
    Das Zitat mit der „Welle“ ist auf die 68er Generation bezogen. Eine Bewegung mit sehr hohen ideellen Werten, die es, aus was für Gründen auch immer (ware sicherlich auch eine interessante Diskussion), es nicht geschafft hat, ihre Vision von einer besseren Welt „durchzusetzen“. Das ist auch die Sorge die ich habe. Momentan ist es trendy & chic „grün“ zu sein. Viele Unternehmen springen auf diesen Zug auf & das eben nicht aus Überzeugung, sonder weil’s halt ein Geschaft ist.
    Ich sehe in den grünen Markten eine große Chance, dass sich die Gesellschaft verandern kann. Doch besteht halt auch die Gefahr, dass durch schwarze Schaafe – die es mit der Nachhaltigkeit eben nicht so ernst nehmen – diese Bewegung einfach in Veruf gerat.
    Mich würde es z.B. auch mal interessieren, in wie weit denn Kaffeebauern, die das Transfair-Logo auf ihrem Produkt haben, einen wirklich besseren Preis bekommen – im Verlgeich zum „normalen“ Weltmarktpreis.
    Das Bsp. mit dem Porschefahrer war etwas überspitzt. Trotzdem sind nachhaltige Produkte teurer als konventionelle Produkte. Dementsprechend können sich (momentan) ja auch nur Menschen solche Produkte leisten, die ein höheres Einkommen aufweisen, wo man wieder beim Thema „green is chic“ ist.

  5. Trina

    mal zur aktuellen Debatte: es geht nicht darum, LOHAS schlecht zu reden, es geht darum kritische Potentiale zu entfalten, um die Bewegung resistent zu machen gegen Anfeindungen. LOHAS wird sich immer verschiedensten Kritiken stellen müssen, von den einen als kapitalistische Öko-Avantgarde mit großem Geldbeutel tituliert, von den anderen gar überspitzt als ‚Ökozentristen‘ bezeichnet, als unpolitische Hedonisten gekennzeichnet und letztlich zu weich und zu genusssüchtig, um mit ihnen etwas bewegen zu können. Fakt ist, dass der Prozess des Umdenkens das erste Ziel ist. Das ‚Klicken im Kopf‘, darum geht es, alles andere wird sich zeigen! Jedenfalls waren wir noch nie so weit wie heute, weder die Ökos der 80er, noch die ewige Anti-Propaganda konnten Wellen schlagen wie LOHAS. Das dies in einer Konsumgesellschaft mit Hilfe des Konsums und damit verbunden des Marketings geschieht scheint logische Konsequenz. Schon Marx hat erkannt, dass bestehende Verhältnisse selbst wenn sie abgeschafft würden ihre Wirkung auch in der Zukunft entfalten, sprich: man muss mit den Mitteln kämpfen, die man zur Verfügung hat – und man muss vor allem wissen, wie man diese Mittel umzusetzen hat! Für die Debatte um das TransFair Logo: http://www.cafe-libertad.de/shop/kaffee/stortebeker-kaffee-250g-gemahlen.html
    Hier gibts eine Alternative. 100% sozial verträglich produzierter Kaffee, unterstützt wird damit eine zapatistisch libertäre Gemeinde. Alternativen und buycotts sind immer möglich – ob LOHAS oder nicht…hauptsache sozial, ökologisch und ökonomisch verträglich…:-)

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