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11 responses to “Großkonzerne – meine Haltung zum Wandel der Großen”

  1. wurschdwilly

    Hallo Christoph,

    dass Thema kam ja Anfang des Jahres auch bei eurer Veranstaltung auf der Biofach auf. Ich bin immernoch der Meinung, dass es zwischen Gut und Böse ganz viel Grau gibt. Ich stimme dir also zu, wenn du sagst, dass sich Konzerne von innen heraus durch ihre Mitarbeiter und deren persönliche Einstellungen verändern können.

    Trotzdem sehe ich einen grundlegenden Unterschied was die Nachhaltigkeit bei Konzernen und kleineren Unternehmen angeht. Nachhaltiges Handeln hat mit Verantwortung zu tun. Nur wenn ich mir über die Folgen und Auswirkungen meiner Handlungen Gedanken mache, können diese nachhaltig sein. Dazu müssen diese für den oder die Handelnden aber auch erlebbar sein.

    Im Konzern ergeben sich dabei aber Probleme:
    – Handlungen haben oft weit über den eigenen Wirkungsbereich hinaus folgen (Spezialisierung).
    – Niemand ist für das gesamte Unternehmen verantwortlich bzw. kann diesen Verantwortungsbereich überblicken.
    – Geschäftsführer „haften“ (in der Praxis)nur mit ihrem Arbeitsvertrag. Ihr Kapital und vor allem auch ihr Ruf und ihr Soziales Ansehen bleiben meist unberührt.

    Der kleinere Unternehmer erlebt dagegen die Folgen seiner Handlungen viel unmittelbarer.

    Soweit mal meine Gedanken. Die Beschreibung der Probleme im Konzern und die Gegenüberstellung können bestimmt noch besser beschrieben bzw. abgegrenzt werden.

    1. Kristina

      Hallo zusammen,

      wer von euch hat 5 Minuten Zeit, an einer von mir erstellten anonymen Umfrage teilzunehmen zum Thema Lifestyle of Health and Sustainability?
      Die Umfrage dient der Datenerhebung für meine Masterarbeit.

      http://www.voycer.de/umfrage.html?sid=27186

      Vielen Dank an jeden, der mitmacht!
      Best, Kristina

  2. Silke

    Das sehe ich auch so, wurschdwilly. Je komplexer die Struktur umso abstrakter die Verantwortung. „Schuld“ ist sowieso immer die vor- oder nachgelagerte Stufe…

    Christoph: Ich denke, solang die großen Konzerne die Performance des (mittleren) Managements ausschließlich an Umsatzzahlen messen, hat ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept wenig Chance. Alle Bemühungen in Richtung responsible sourcing etc. sind gut und wichtig, aber gerade weil Unternehmen aus Menschen bestehen, ist das interne Anreizsystem meines Erachtens ein ganz entscheidendes Kriterium für den Wandel. Vielleicht könnt ihr da ja mit dem DBU Projekt und eueren Partnern zu einem Umdenken beitragen. Viel Erfolg auch für den Kick-off heute.
    Viele Grüße, Silke

  3. Schatzschneider

    Schöner Beitrag von Dir, lieber Christoph. Grundsätzlich sehe ich das ja genauso wie Du, dass jeder Wandel bei jedem Menschen selbst beginnt, egal in welchem Unternehmen er arbeitet. Die Argumente von „wurschdwilly“ sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Es ist für die meisten Unternehmen nicht erkennbar, wie sie von einem auf Profit und Wachstum ausgerichteten Denken auf ein Nachhaltigkeitsdenken umschwenken sollen und dies im Alltagsgeschäft umsetzen können. Ich glaube, dass viele Menschen IM Unternehmen das irgendwie wollen und spüren, aber sie es nicht umsetzen können. Da eben die Interessen vieler Unternehmen auf Börsenkurse und Profitdenken ausgerichtet sind. Und solange sich das nicht ändert, wird es sehr schwierig, hier einen freiwilligen Wandel reinzubringen.

    Aber was wir heute ja schon deutlich erkennen ist – es wird sich ändern. Definitiv. Nur wird dieser Wandel für viele sehr schmerzvoll werden, da die Veränderung aus meiner Sicht nur über einen Zusammenbruch der Wirtschaft erfolgen kann. Und ich glaube, wir sind ganz kurz davor. Viele von uns spüren bereits die täglich wachsende Unsicherheit, angefangen am Euro bis hin zum Arbeitsplatz. Dass die Wirtschaft in diesem Moment noch so gut läuft liegt doch nur noch daran, dass wir alle unser Geld noch halbwegs sinnvoll investieren wollen, bevor der Crash kommt.

    Damit möchte ich keine Angst verbreiten, ganz im Gegenteil. Ich würde mein Augenmerk dahin legen, wo bereits neue Unternehmenskulturen erwachen und die neue Wirtschaft „danach“ gestalten. Es gibt viele davon, man muss sie nur finden. Denn was sie von Großkonzernen unterscheidet ist, dass sie eben klein sind. Und da die Zukunft eh wieder nach viel mehr Regionalität schreit ist Größe auch kein entscheidender Faktor mehr für Unternehmen der Zukunft. Viele Großkonzerne werden diesen Wandel nicht überleben, da sie einfach nicht fähig sind, sich anzupassen und ihre Überlebensfähigkeit zugunsten von Profit geopfert haben. So hart das klingt, aber das ist meine feste Überzeugung.

  4. Hans

    Lieber Christoph,
    vielen Dank für den zum Nachdenken anregenden Beitrag. Ich stimme Deiner yogischen Weltsicht zu :-): Auch in Großunternehmen arbeiten Menschen, die glücklich sein wollen (wie jeder von uns), was nahezu gesetzmäßig impliziert, dass man anderen nicht absichtlich Schaden zufügen will. Natürlich: Es gibt Unwissenheit, Geichgültigkeit, Duckmäusertum, die berühmten Sachzwänge usw.

    Dennoch halte ich es für gerechtfertigt, zunächst einmal davon auszugehen, dass Manager von Großkonzernen nicht per se böse Absichten verfolgen. Tatsächlich stellt sich bei nicht wenigen, zumal wenn sie schon etwas älter sind, irgendwann die Sinnfrage: Ist das richtig, was ich mache? Warum mache ich das?

    Solche Fragen führen noch nicht(oder nicht immer)zu einem geänderten Verhalten, etwa in puncto Nachhaltigkeit. Aber hier bietet sich vielleicht ein Ansatzpunkt in Diskussionen mit solchen Managern. Deinen Hinweis auf die Chance eines Wandels von Innen heraus und auf Social Intrapreneurs finde ich sehr gut und vielversprechend. Solche zarten Pflanzen sollte man pflegen, und sie nicht niedermachen, indem man reflexartig die Keule „Konzern böse“ schwingt.

  5. Ben

    Lieber Christoph,
    danke für Deinen sehr spannenden Beitrag. Als Mitarbeiter eines großen Unternehmens im Bereich Nachhaltigkeit hat mich der Beitrag besonders interessiert. Vieles von dem was Du schreibst unterstütze ich voll und ganz, einiges sehe ich differenzierter und manches möchte in anmerken.
    „Konzerne sind die Summe von Menschen, die zunehmend auch beruflich auf Sinnsuche sind und ihre (Arbeits)Kraft in etwas Sinnvolles stecken wollen“ – Eine Aussage, die ich voll und ganz unterstütze und ich beobachte auch zunehmend in unserem Unternehmen, dass viele Mitarbeiter einen ganz persönlichen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit haben, z.T. sogar für das Thema „brennen“, und es in ihren beruflichen Alltag (der im Kern nichts mit dem Thema zu tun hat) mit einfließen lassen wollen. Daher: Echter Wandel kommt auch meiner Meinung nach nur von Innen und muss entsprechend von den Unternehmen gefördert werden. Aber: Aktuell sind die Zielsysteme in Unternehmen häufig noch unvollständig oder konfliktär. Soll heißen: Nachhaltigkeit ist (in den meisten Fällen) ein Investment welches Geld und andere Ressourcen kostet. Wenn ein solches Investment in den Zielvereinbarungen des mittleren und höheren Managements nicht explizit festgehalten und gemessen wird und auch in Kauf genommen wird, dass evtl. ein Umsatz oder Gewinnziel (kurzfristig) darunter leidet, dann sind auch solche Menschen, die eigentlich anderer Überzeugung sind, nur schwer in ihrem beruflichen Alltag davon zu überzeugen, sich nachhaltig zu verhalten. Daher die klare Forderung: Nachhaltigkeit muss Teil der Steuerungs- und Zielsysteme für das mittlere und höhere Management werden. Denn ohne die formale Verankerung, das schreibt ja auch Silke, wird es auch trotz anderer Einstellungen der Menschen in Unternehmen, schwierig deren Verhalten zu verändern.
    „Handeln und Kommunizieren muss nicht sequentiell passieren“ – Hier bin ich teilweise anderer Meinung als Du. Ich bin der Meinung, dass es eine klar definierte, mit konkreten Zielen und Meilensteinen gesetzte Strategie geben muss. Ich bin aber nicht der Meinung, dass man erst nach vollbrachter Tat kommunizieren sollte. Warum? 1. Verständnis, Transparenz und Ehrlichkeit: Dass ein großes Unternehmen nicht von heute auf morgen vollständig nachhaltig wirtschaften kann, ich glaube für diese Tatsache hat mittlerweile ein breites Publikum Verständnis. Daher kann man auch kommunizieren, wenn man sich bereits auf den Weg befindet und sollte dies auch tun. Nur dadurch kann man seine Kunden und Stakeholder mit in den Prozess der Veränderung einbeziehen 2. Öffentlichkeit schafft Kontrolle und Commitment. Die Öffentlichkeit schafft auch Kontrolle für die Umsetzung der selbst gesteckten Ziele und Maßnahmen. Wer einen „Plan“ öffentlich kommuniziert, der wird auch eher dafür sorgen, dass er realisiert wird. Bitte nicht falsch verstehen. Ich spreche hier nicht von kosmetischen Veränderungen aus denen eine Strategie gebastelt wird, sondern eben von den Anpassungen der Wertschöpfungskette und den Kernprozessen, von denen auch Du schreibst. Womit wir auch beim nächsten Punkt sind:
    „Die Masse bedienen heißt, die Kernprozesse zu verbessern“ für viele Großunternehmen ist das Thema Nachhaltigkeit aktuell noch ein „Schaufensterthema“. Damit meine ich, dass viele Unternehmen sich dem Thema über spezielle Produkte und Angebote annähern, die nachhaltig gestaltet werden. Das kann dann auch durchaus korrekt und sauber gemacht werden, aber diese Einschnitte gehen einerseits nicht tief genug in die Wertschöpfungskette des gesamten Unternehmens, andererseits glaube ich auch nicht, dass Produkte, die in erster Linie einen nachhaltigen Mehrwert haben auch mehrheitsfähig sind (dafür ist das Involvement der Masse dann doch zu gering). Die Konsequenz: Es wird aktuell beim Thema Nachhaltigkeit noch viel zu stark auf Produktebene und zu wenig auf Unternehmensebene gedacht. In letzter Konsequenz ist das Thema Nachhaltigkeit ein Pflichtthema an dem ich als Unternehmen im Hintergrund bis tief in meine Prozesse und Strukturen arbeiten muss, um mein gesamtes Angebot nachhaltiger zu gestalten. Dass hier vielleicht nicht auf Abhieb eine 100%ige Verbesserung stattfinden kann (wie es bei einzelnen Produkten möglich ist), finde ich dann auch durchaus legitim.
    Liebe Grüße
    Ben

  6. Zum Wandel in Großkonzernen

    […] Der KarmaKonsum Macher, Christoph Harrach hat sich ein paar Gedanken zum Thema Wertewandel in Großkonzernen gemacht: Abraham Lincoln hat ja mal gesagt “When I do good I feel good – when I do bad I feel bad – that’s my religion”. So sehe ich das auch und ich denke, die Menschen in Konzernen wollen auch Gutes tun, damit sie sich gut bzw. besser fühlen. Hier den ganzen Artikel lesen. […]

  7. Katharina

    Da schon so viel gutes und richtiges geschrieben wurde – einfach danke Christoph, Du hast es wieder für all Deine Leser auf den Punkt gebracht.

    Ob Großkonzern, kleiner Bioladen oder Meditationszentrum, wir haben täglich bei uns selbst aufzuräumen und sollten in jeder Minute, in jedem Telefonat, in jedem Miteinander bis hin zu E-Mail-Kommunikation mehr am Brutto-Sozial-Glück arbeiten. Die eigenen Grenzen kennen, die eigenen Potentiale ebenso, wert- und urteilsfrei zuhören… So, das reicht dann mal für heute :–)

  8. Jochen Dallmer

    Interessanter Artikel, der meines Erachtens aber einen sehr relevanten Aspekt außer Acht lässt: Die meisten Konzerne sind Aktiengesellschaften und als diese vor allem dem Interesse ihrer Anteilseigner verpflichtet. Dies ist in der Regel die Rendite ihrer Kapitaleinlagen. Dsa Management hat in erster Linie die von den Anlegern formulierten Renditeziele zu erreichen.

    Ein wenig mehr Analyse des Kapitalismus braucht es schon in solchen Betrachtungen!

    Ich empfehle dafür klassische Literatur, den Film „The Corporation“ oder den Besuch einer Aktionärshauptversammlung. Dann wird deutlich wie sehr Kapitalinteressen ausschlaggebend sind.
    Schönen Gruß, jochen

  9. Andreas

    Vielen Dank für den interessanten Diskussionsansatz von Christoph.

    Ich möchte mich der sehr treffenden Analyse von Jochen anschließen. Nachhaltigkeit wird in einem Großkonzern nur dann implementiert, wenn es zumindest langfristig den Interessen der Kapitaleigner dient und höhere Renditen verspricht.

    Nachhaltige Massnahmen können natürlich auch im Einklang mit Gewinninteressen stehen, wenn der Konzern oder die betreffenden Produktmarken vor einem dauerhaften Imageverlust geschützt werden sollen (siehe z.B. aktuelle Reaktion von Nike und Puma auf die Greenpeace Detox Kampagne).

    Betrachtet man allerdings den Großteil der Produkte und Dienstleistungen in unserer Wirtschaft, so stellt man fest, dass sich keine breite Öffentlichkeit formieren lässt, die umweltschädigende Beschaffung und unfaire Produktionsbedingungen anklagt. Genau bei diesem Großteil der Produkte wird sich weiterhin die Maxime der Profitmaximierung der Großkonzerne und Ihrer Anteilseigner durchsetzen.

    Wen man demnach den Menschen in Großkonzernen einen langfristigen, inneren Wandel ermöglichen möchte, sollte zuerst die sie umgebende Realität der kapitalitischen Eigeninteressen in Frage gestellt werden.

    Wünsche allen einen schönen Abend !

  10. Nicole

    Danke für den interessanten Artikel und die ausführlichen Kommentare! Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen und habe bis heute die Hoffnung nicht aufgegeben, „nachhaltig“ zu arbeiten!Und ich bin sicher nicht die Einzige, die so denkt 🙂
    Viele Grüße
    Nicole

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